Zuletzt veröffentlicht
 

Spreewelle 141

Spreewelle – Nr. 141

  |   2017, Kompilationen

Erster März! Die Zeit des Leidens ist vorbei. Wir haben hier Frühling. Und jagen seinethalben zumindest in Durchgang 1 durchweg optimistische Töne durch die Boxen. Und auch die zweite Seite der 141. Playlist durchhaucht großteilig die Hoffnung auf einen völlig verfrühten Sommeranfang.
 
Es ist ein deutlicher Bruch zum Vormonat, bei dem die Spreewelle trotz Uptempostrecken doch mehrheitlich mit Wundenlecken beschäftigt war. Der Stimmungsumschwung geht mit einer Verrückung des Genreschwerpunkts einher. Dicke, populärrhythmische Beats und vereinfachte, dauerwiederholte Hooklines – davon gibt es eine ganze Menge auf der Seite 1. Also Hirn ausschalten und abspacken. Zum Beispiel zum Opener, einem breitbeinigem Anthem vom kalifornischen Elektroduo Lemaitre. „Infectioning“ und „uplifting“ wären so Adjektive, die einem durch den Kopf flöten.
 

 
Deutlich dezenter, aber nicht weniger tanzbodenfixiert ist der Folgebeitrag. Der kommt von Jamiroquai. Jamirowhat? Jamiroseriously? 20 Jahre ist „Virtual Insanity“ her und seitdem hat sich Jay Kay und seine Kollegen genau 0 Prozent weiterentwickelt. „Cloud 9“ klingt so, als stamme es vom 1996 erschienenen „Travelling Without Moving“. Und auch das Video zur Single dreht sich um die Haupt-„Themen“ der britischen Acidjazz-Legenden: Autos und Frauen. Wenig Aufregung also – aber viel wunderschöne Harmonien. Wer den Sound mag, wird wohl auch mit dem im Spätfrühling erscheinenden „Automaton“ seine Freude haben.
 

 
Air Zaire ist nicht nur die Firmenbezeichnung einer ehemaligen staatlichen Fluggesellschaft, sondern auch der Name eines New Yorker Produzenten, dessen ziemlich aufregender Track „Love 94“ von Douze durch den Fleischwolf gedreht wurde.
 

 
Passend dazu ein kleines Rework-Duett. Zum einen eine aktualisierte und herrlich zersauste Version von Garbages „Only Happy When It Rains“…
 

 
… und zum zweiten Michael Jacksons „Human Nature“ im Louis La Roche-Remix:
 

 
An den King Of Pop erinnert auch The Strike. Deren treffsicheres „Eye For An Eye“ kann man nicht besser beschreiben, als es popmatters.com getan hat: „a block of low-poly funk aimed squarely at the dancefloor. Synth squelches and a bulky bassline prop up lead singer Chris Crabb’s pop-punky belt, horns flourishing in the crevices and steady drums carrying the band through. The bridge drops out everything but simple bass and drums alongside the vocals, as smooth a breakdown as there ever was — and then synth, horns, and guitar add in one by one until the climactic final chorus. If you’ve ever said, “Man, do I wish Maroon 5’s pop was good,” this’ll tickle your fancy.“
 

 
Wenn die Spreewelle einen Amerika-Bann ausgesprochen hätte, sähe die 141 ziemlich leer aus. Denn auch die nächste Popgranate kommt aus den USA. Das Duo Midnight At Monaco ist spezialisiert auf Acapella-beeinflussten Dreampop. Was damit gemeint ist, klingt so:
 

 
Und dann war das noch: Little Scream aus Montreal mit dem bluesigen und ohrwurmigen „Love As A Weapon“
 

 
sowie ein handgemachte Remake von Estelles schon im Original ziemlich tollen „American Boy“ – zum Besten gegeben von Cocoon, einem französischen Duo, das wir auch auf Seite 2 gleich noch einmal hören werden.
 

 
Speaking of Seite 2: Dort wird – wie in jedem Februar/März das aktuelle Material der Ich-Bin-Ein-Star-Holt-Mich-Hier-Raus-Produzenten restverwertet. Ich werde nicht müde zu betonen, wie einmalig die Musikauswahl zu diesem übermäßig unterhaltsamen Unterschichten-TV-Event ist. Drei Beispiele: Tom Rosenthal mit dem resignierten „It’s OK“ …
 

 
Cover-Legende Anna Ternheim mit einer Backstreet Boys – Neuinterpretation…
 

 
… und schließlich – ebenfalls aus der Kategorie „Überraschende Cover“ – der Österreicher Bernhard Eder mit seiner Version von Pet Shop Boys‘ „Beeing Boring“
 

 
Beenden wir diese kleine Preview im Sinne der Kreisschließung mit etwas Leichtgängigem. Edward Sharpe & The Magnetic Zeros sind Spreewellen-Fans wohlbekannt, unter anderem dank des Folkschlagers „Home“. Anfang 2016 erschien mit „Free Stuff“ eine unauffällige, kleine, aber total liebenswerte Single, die mir irgendwie durchgerutscht ist und deshalb heute hier noch einmal besonders hervorgehoben werden soll.
 

 

 
Coverphoto: Sarah Johann, sarahjohann.com
 
 

Seite 1

  • Lemaitre Feat. The Knocks We Got U ft. The Knocks
  • Jamiroquai Cloud 9
  • Tyler Touche Act Of God (Robotaki Remix)
  • Air Zaire Love 94 (Douze Remix)
  • Garbage Only Happy When It Rains (Virgin Magnetic Material Remix)
  • Michael Jackson Human Nature
  • Zanski Hesitate
  • The Strike Eye for an Eye
  • Midnight To Monaco One Way Ticket
  • Absofacto Light Outside
  • Kakkmaddafakka May God
  • Little Scream Love as a Weapon
  • Cocoon American Boy
  • Michael Nau Love Survive
  • Wilco If I Ever Was a Child
  • Joel Sarakula Northern Soul
  • Lenox Colorblind (Feat Ben Mazu)
  • Anderson .Paak Put Me Thru
  • Alicia Keys Pawn It All
  • Father John Misty Real Love Baby

Seite 2

  • The Seasons Apples
  • Mighty Oaks Be With You Always
  • Gisbert zu Knyphausen & Kid Kopphausen Band Staub & Gold
  • Colony House Waiting For My Time To Come
  • Edward Sharpe And The Magnetic Zeros Free Stuff
  • Tom Walker Just You and I (Acoustic)
  • Keaton Henson Alright
  • Tom Rosenthal It’s Ok
  • Bernhard Eder Being Boring (Pet Shop Boys)
  • Anna Ternheim Show Me The Meaning Of Being Lonely (Backstreet Boys)
  • Tom Odell True Colours
  • Ivan Yashkin Night Owl (Metronomy)
  • JONES Melt (Acoustic)
  • Cocoon Tell Me
  • Little May Hide
  • The Lumineers Angela
  • Rosie Thomas All My Life
  • Kate Havnevik Grace
  • Dodie Sick of Losing Soulmates
  • Amber Run I Found