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Spreewelle 142

Spreewelle – Nr. 143

  |   2017, Kompilationen

Phoenix! Maximo Park! Shout Out Louds! Gorillaz! Feist! Es geht ganz schön ab mit den Neuveröffentlichungen im noch jungen Mai. All diese Spreewelle-Dauergäste bekommen natürlich ihren Platz auf der aktuellen Monatsliste. Und doch sind es die eher Unbekannten, die die 143. Ausgabe erst so richtig zum Glänzen bringen.
 
Die inhaltliche Klammer der wie immer 40 Tracks bildet der sagenhafte Soundtrack zur nicht minder großartigen HBO-Serie „Big Little Lies“. Das geht ja schon los beim Titeltrack. Dass Michael Kiwanuka einer der größten lebenden Soul-Singersongwriter, der aktuell auch noch heißen Scheiss produziert, ist spätestens seit seinen bislang zwei Spreewelle-Auftritten im Jahr 2012 unbestritten. Das schmachtend-fetzige „Cold Little Heart“ begleitet die Protagonistinnen in den Opening Titles bei der Fahrt ihrer Gören zur Schule. Kinder spielen im Showkonzept zwar eine große Rolle, aber nur in der völlig verschobenen Perspektive ihrer Helikopter-Eltern. Die unschuldigen Heranwachsenden selbst werden sympathisch neutral dargestellt. Mehr noch: Sie sorgen immer dann für Entlastung, wenn sie ungefragt und stets zu laut, richtig coole Musik über das Smartphone der Eltern abspielen. In meiner Welt kriegt die wunderbar gespielte Chloe eh ein eigenes Spinoff.
 

 
Retro-Soulpop – ja, ich weiss. Nicht alle Spreewellehörer können damit auf Dauer was anfangen. Aber: Wurscht. Bzw.: Konzept. Denn der Isländer Júníus Meyvant liefert einfach einen sehr nahtlosen Übergang. Vielleicht einfach auch mal ein Statement, dass isländische Populärmusik mehr zu bieten hat als traurig klampfende Folklore.
 

 
Dann ist es aber auch langsam Zeit für die drängelnden Hinweise auf die gerade zuhauf erscheinenden neuen Platten echter Spreewelle-Helden. Phoenix zum Beispiel. Die Franzosen haben eine ganze Weile verstreichen lassen seit dem extrem übersteuerten „Bankrupt“ und melden sich nun zurück mit „J-Boy“, dem Vorgeschmack auf „Ti Amo“, das ab dem 9. Juni erhältlich ist. Dabei soll es laut Pressetext um Liebe, Verlangen, Lust und Unschuld gehen. Aha. Liest man die Setlist geht es aber vor allem um italienisches Eis. Die Vorabsingle lässt den Schmiss und die Hookline vermissen, die wir eigentlich von Thomas Mars und seinen Kollegen kennen. Schlecht ist sie trozdem nicht. Davon werden wir mit Sicherheit noch mehr hören auf 144. und 145…
 

 
Ebenso in den den Startlöchern: Die Shout Out Louds. Gewohnt gutmütig und harmonisch gehen die Schweden in „Oh Oh“ zu Werke. Das neue Studioalbum soll im Laufe des Jahres in den Läden sein und vielleicht ein ganz bisschen mehr überraschen.
 

 
Bereits seit zwei Wochen läuft bei mir die neue Maximo Park Platte rauf und wieder runter. Als Fanboy der ersten Stunde kann man von mir natürlich kein wirklich neutrales Urteil zu „Risk To Exist“ erwarten. Und trotzdem: Das neue Album ist das Beste seit „Earthly Pleasures“. Aus zwei Gründen: Einerseits bietet der Longplayer mindestens sechs Sofort-Ohrwürmer. Und zweitens: Der Wumm ist wieder da. Nicht in der Musik, sondern in den Lyrics. Das politische Statement ist eine neue Farbe in den sowieso oft wunderschönen Lyrics des Paul Smith. Selbst der Hitgarant „I’ll Be Around“ (Klingt an der Oberfläche nach Oberflächlichkeit, läuft aber ein verflixter 7/8 Takt drunter) – eigentlich ein Liebeslied und auf Seite 2 in der Piano-Version – kommt ohne die Erwähnung des „government out of touch“ nicht aus. Und das ist auch gut so.
 

 
Die zweite Seite ist seit längerer Zeit mal wieder eine „echte“ Seite 2 geworden. Also lieber nur hören, wenn es in Eurer Grundstimmung noch Luft nach unten gibt. Unter anderem dabei: Leif Vollebekk, Singersongwriter aus Montreal. Sein, ja hier passt es, elegisches Ständchen „Elegy“ greift einen ans Herz.
 

 
Eben dort setzt auch Luke Sital-Singh an. Dessen erst zweites ganzes Album „Time Is A Riddle“ erscheint heute und hat mit „Killing Me“ so etwas wie die perfekte Ballade am Start.
 

 
Auch Feist hat was Frisches im Plattenladen. Nach dem ersten Hördurchgang tut sich „Pleasure“ zwar noch etwas schwer, es kann aber als sicher gelten, dass sich das schnell ändern kann. Guter Vorgeschmack ist der Track „A Man Is Not A Song“. Noch minimalistischer, noch leiser, noch filigraner – das scheinen die guten Vorsätze der Kanadierin gewesen zu sein, als sie sich ans Songschreiben machte.
 

 
Einen letzten kleinen Schlenker in die elektroverstärkte Ecke macht die 143. Ausgabe gegen Ende. Denn auch die Gorillaz feiern im Mai ihr Comeback. „Busted And Blue“ unterstreicht ein weiteres mal die unglaubliche schöpferische Bandbreit von Damon Albarn. Leider nicht auf Youtube erhältlich.
 
Soweit die Highlights. Wie immer lohnt sich auch ohne wortreiche Huldigung jeder einzelne Track, siehe Tracklist.

 

 
Coverphoto: Spreewelle
Coverlocation: Stralsund
 
 

Seite 1

  • Michael Kiwanuka Cold Little Heart (Radio Edit)
  • Júníus Meyvant Neon Experience
  • Isaac Delusion How Much You Want Her
  • Phoenix J-Boy
  • Shout Out Louds Oh Oh
  • Maxïmo Park What Equals Love
  • Thomas Azier Gold
  • Future Islands Ran
  • Von Wegen Lisbeth Wenn Du Tanzt
  • Bilderbuch Baba
  • Autograf Don’t Worry
  • Todd Terje Alfonso Muskedunder
  • Moullinex Love Love Love
  • Parov Stelar Step Two
  • Alice Merton No Roots
  • Laura Mvula Let Me Fall
  • Tame Impala The Moment
  • Father John Misty Total Entertainment Forever
  • JR JR Same Dark Places
  • Fleetwood Mac Dreams

Seite 2

  • Leon Bridges River
  • Leif Vollebekk Elegy
  • Maxïmo Park I’ll Be Around (Piano Version)
  • Douglas Dare Scars
  • Harry Pane Fletcher Bay
  • Luke Sital-Singh Killing Me
  • Elevator Platon Karataev
  • Majical Cloudz Downtown
  • Alex The Astronaut Already Home
  • Mighty Oaks Dreamers
  • Joel Porter St. Anthony
  • Daniel Montoya On My Way
  • Kaleo Way Down We Go
  • Sylvan Esso Die Young
  • Gorillaz Busted And Blue
  • Feist A Man Is Not His Song
  • Maggie Rogers Dog Years
  • Mac DeMarco On the Level
  • LADY Get Ready
  • Silver Wham Bam Shang-A-Lang