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Spreewelle 148

Spreewelle – Nr. 148

  |   2017, Kompilationen

Nüscht für Weicheier. Die Septemberausgabe (die ab jetzt immer im Oktober erscheint) aalt sich in Großstadtmelancholie. Moll und zwar doll, so zu sagen. Wer die ersten Vorboten der Winterdepression verspürt, ist mit der 148 als Geschmacksverstärker ganz gut bedient.
 

London calling

Was ich damit meine, klingt bei den ersten Takten des Openers durch. Der großartige Sänger und Pianist Benjamin Clementine hat vor 14 Tagen seine zweite Platte herausgebracht. Mit „I Tell A Fly“ kann man im Musik-LK angeben. Unglaublich virtuos wie der Sohn ghanaischer Eltern Genre für Genre durchpflügt und mit schlauen Texten und dieser unnachahmlichen Stimme ein Kleinod nach dem anderen raushaut. Für die 148 gibt es aber vom Debutalbum „At Least For Now“ das sehr eingängige „London“.
 

 
 

London calling, again

Ebenfalls aus London stammt Lianne La Havas – und ihr bislang erster Beitrag zur Spreewelle changiert ebenso cool zwischen Folk und Neo-Soul wie der Opener. Und auch hier geht es um die Auseinandersetzung mit London als Heimat und in diesem Fall Jamaica als Wurzel. Die Bläser verraten es: Hinter diesem ziemlich perfekten Song steckt deutlich mehr als reines Popkalkül.
 

 

Und noch zwei Smoothies

Der Groove bleibt dezent, die Stimmung leicht gedrückt, die Atmo cool: Men I Trust aus Montreal übernehmen in Track 3 die Verantwortung. Herrlicher Bass, hypnotische Melodie. Die großen Hits auf der Spreewelle 148 machen auf Understatement.
 

 
Gleiche Kerbe, anderer Interpret: Auch NVDES liefern einen zurückhaltenden, aber maßlos sexy Track. Das einzig wirklich irritierende dabei ist das Video.
 

 

Deutschen Indierock? Hamm wa.

Wohl eine der tollsten Entdeckungen dieses Monats sind Giant Rooks aus Hamm. Von den fünf Bandmitglieder heißen zwei Finn mit Vornamen – und auch optisch wären die was für den BRAVO Starschnitt. Die bislang veröffentlichten Songs erinnern stark an die frühen Kooks und begeistern – wenig überraschend – mit ihrer jugendlichen Spritzigkeit. „New Estate“ gehört zu meinen absoluten Lieblingssongs aus dem Genre „Mellow Indiepop“ in diesem Jahr. Obendrein ist die Nummer hervorragend arrangiert. Es gibt mindestens 5 Stellen in dem herrlich unscheinbar daherplätschernden Song, bei denen man hört, wie wichtig sie den Jungs sind.
 

 
Da ist es dann kein Zufall, dass sich daran nahtlos die deutlich älteren Shout Out Louds anschließen. Die machen ja seit Ewigkeiten nichts anderes als Aufregend-Emotionales in unaufgeregt entspannte Songkostüme zu stecken – und verträumt dreinbilckende Mitvierziger bei ihren watteweichen Konzerten glücklich zu machen.
 

 

Master of too much

Beck is back. Am 13. Oktober erscheint seine neue Platte „Colors“. „Dear Life“ ist der Vorbote und verheißt eine gewisse Neuausrichtung. Der fünffache Grammysieger (ja, hab ich grad nachgeguckt) spricht selbst von einem ziemlichen Durcheinander was die Genrespezifikation der neuen Songs angeht. Beck wäre aber nicht Beck, wenn er nicht in der Lage wäre, – wie beim grandiosen „Dear Life“ – das musikalische Chaos in präzisen Pop zu verwandeln.
 

 
Das war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die 40 besten Tracks des vergangenen Monats. Die komplette Liste der Empfehlungen folgt wie immer ein paar Pixel tiefer. Machen wir Schluss mit Charlotte Gainsbourg, deren neues Album im November erscheint. Der Titeltrack zeigt zumindest, wie es stimmungsmäßig auf der Seite zwei weitergeht. Ihr habt’s hoffentlich warm.
 

 
Covergestaltung: Spreewelle
Coverlocation: Berlin, Alexanderplatz
 
 

Seite 1

  • Benjamin Clementine London
  • Lianne La Havas Green & Gold
  • Men I Trust Tailwhip
  • NVDES Do You Think About Me
  • Garden City Movement Shes So Untouchable
  • LIV Wings of Love
  • Giant Rooks New Estate
  • Shout Out Louds Paola
  • New Order Regret
  • Tame Impala The Less I Know The Better The Less I Know The Better
  • RAC The Beautiful Game (ft. St Lucia)
  • Beck Dear Life
  • Wolf Alice Beautifully Unconventional
  • Alice Merton Hit The Ground Running
  • The National Day I Die
  • Liam Gallagher Wall Of Glass
  • Courtney Barnett & Kurt Vile Over Everything
  • The Marías I Dont Know You
  • Party Down Freedom Fry
  • Boxed In Mystery

Seite 2

  • Charlotte Gainsbourg Rest
  • Giant Rooks Bright Lies
  • Alexander Wolfe Breaking the Fall
  • JONAH Wicked Fever
  • Clairo Duet
  • Sean Christopher Paper Plane Pilot
  • Braille Face Because
  • Haux Cologne
  • BROADHURST The One
  • Jaws Of Love Love Me Like Im Gone
  • Shannon Lay The Moons Detriment
  • Henry Jamison The Last Time I Saw Adrianne
  • Phoebe Bridgers Motion Sickness
  • Angus & Julia Stone Chateau
  • Callum Pitt Rabbits
  • LIV Hurts To Liv
  • Wet Dont Wanna Be Your Girl
  • Melis Sober (Over You)
  • Cones Whatever Your’e Into
  • Pablo Nouvelle feat. Favela I Want For Nothing