Die Wahrheit über den New Yorker Tiefflug

Gepostet von am April 28, 2009 in Politik & Gesellschaft | Keine Kommentare

“Scheiss Photoshop”, Colonel Creek verzweifelte mal wieder an dem blöden Computerding. Er rief in harschem Ton seinen Praktikanten Davis herbei. Der Junge kannte sich doch aus mit diesen Dingen. Er selbst hasste das Rotationsprinzip. Der Vorschlag kam von ganz oben, vom lieben Herrn Verteidigungsminister persönlich. Klar – der stand unter Handlungsdruck, war doch sein Ministerium eines der wenigen, das unter dem feinen Herrn Obama keinen neuen Leithammel abbekam. Gates gab also folgerichtig seine neue Devise aus: “Change”. Blitzmerker dachte sich Creek damals und lachte vor versammelter Mannschaft sein herrisches Lachen, das ihm immer noch recht gut gelang. Doch es verging ihm schnell. Denn fortan musste er jeden dritten Montag im Monat an anderer Stelle wirken.

Das mit dem Bloggen in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im ersten Monat hatte ihm noch ganz gut gefallen. Seitdem wußte er, wie man Smileys mit der Tastatur macht. Auch der März-Montag war ihm noch in guter Erinnerung. “Internet Sicherheit” hieß die Abteilung und Creek durfte sich den ganzen Tag lang Internetseiten aussuchen, die er sperren lassen wollte. Aber dieser dritte Montag im April war wirklich für die Katz. “Digitale Bildbearbeitung”, laaangweilig. Seit dem 11. September war die Abteilung intern als Streberverein verschrien und ihr Chef Lennard Bugowsky ließ sich seitdem nur noch Stg. Leonardo nennen.

Seine Gedanken schweiften ab. Es war schon früher nachmittag. In seiner Abteilung “Strategie und Ähnliches” würden nun langsam die Lichter ausgehen und sich diese wohlige Feierabendstimmung ausbreiten. Aber er musste dieses Photodingens fertig kriegen, “Air Force One vor Skyline” – die Tagesaufgabe klang wie ein verfluchter Volkshochschulkurs.

“Was ist?”, Davis war endlich erschienen. Creek tippte mit dem Finger auf den Bildschirm “Da muss ein Update rauf, sagt er”. Davis legte erst die Stirn in Falten und dann seine Hand auf die Maus. Er hatte keinen blassen Schimmer, was er da tat. Vor Grafikprogrammen hatte er noch größeren Respekt als vor Herrn Creek. “Ich kann das ja mal in PowerPoint versuchen”. Creek war es egal. Soll der Junge mal machen.

Eine halbe Stunde später, draußen wurde es schaurig diesig, zeigte Davis das Ergebnis seiner Arbeit. Richtig stolz schien er aber nicht zu sein als er verlegen den Bildschirm in Creeks Sichtfeld drehte. Und auch Creek blieb nichts anderes übrig, als unzufrieden zu grunzen. Er verstand nicht viel von Ästhetik, aber das was Davis ihm da zeigte hätte sogar er als Fälschung enttarnt.

“Das machen wir nochmal”. Creek spürte den schlechten Atem eines verquartzten Nerds in seinem Nacken. Leonardo, die linke Socke! Er hatte sich heimlich still und leise von hinten herangeschlichen und zum Bildschirm gebeugt. “Und diesmal ohne die Hilfe deines Helferleins! Dafür bist du hier!” sagte der Chefdesigner, machte einen angestrengten Blick, der ‘keine Widerrede’ kommunizieren sollte, aber auch ein bißchen wie ‘wann ist dieses Jahr eigentlich Pfingsten’ aussah und schritt schnellen Schrittes aus dem Raum.

Creek ärgerte sich und blickte für einen Moment starr auf den Screen. Aber dann packte es ihn. “Davis, ich habe eine Idee, wenn wir dieses Theater hier schon mitmachen sollen, dann machen wir’s auf meine Art!”. Creek war selbst ganz überrascht darüber, dass er so bestimmt klang. Aber es tat ihm gut. “Gib mir das Telefon und verbinde mich mit Donald und Smith” Er hatte einen Plan. Und nur noch zwei Stunden. Ja. Das würde diesen Montag retten. Es würde ihm Ansehen verschaffen, Respekt sogar. Vielleicht durfte er dann auch selbst aussuchen, in welche Abteilung er am dritten Montag im nächsten Monat arbeiten sollte.

Abends machte es sich Creek in seinem ledernden Ohrensessel gemütlich und schaltete das Fernsehgerät ein. Noch immer zeigten die Sender die Bilder seines Tagewerks. Er nippte still an seinem Glas und gab sich der Berichterstattung hin. Er hatte es Gates gezeigt. Er hatte es allen gezeigt. Er streichelte sich aus Gewohnheit seinen Bauch, wie er es immer tat, wenn er glücklich war. Und im Mai darf ich dann wieder Smileys machen mit der Tastatur, dachte er sich und zündete sich seine Zigarre an.

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