Spreewelle – Ausgabe 71
Ganz pünktlich zum Ende der Repubika juckt das Blog plötzlich ganz heftig. Und so gibt’s hier mit amtlicher Verspätung die 71. Ausgabe der Spreewelle. Sie beschreibt den Frühling.
Am deutlichsten zu merken an den vielen stimmungserhellenden Schrammeltracks, die sich auf Seite 1 versammeln. Ja, es wird wieder lustvoll Spaß gehabt. Ganz ganz vorne sind da Life In A Film – grausliger, grausliger Name, aber wunderbare, wunderbare Band. Außer ein paar Youtube-Clips und einer EP gibt es noch nichts von den Engändern. “Sorry” heißt folgerichtig der Song. Und der wurde schon 2009 ins Netz gestellt, macht sich aber erst in diesen Monaten breitenwirksam bekannt. Endlich, möcht’ man sagen. Denn dieser Track ist einfach ein wahres Vergnügen.
Life In Film ‘SORRY’
Life In Film | Myspace Music Videos
Und hier ohne Bild.
Die Stimme kommt einem bekannt vor. Und trotzdem steht Sänger Samuel in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis zu den Brüdern der Kings Of Leon.
Weil die melancholische Frühlingshaftigkeit der Band so gefällt, hier noch ein Bonus. Bei den vier Londonern handelt es sich übrigens um ganz ehrlich arbeitende Musiker, die sich ihre bisherige Karriere in kompleter Eigenregie zusammengebastelt haben. Der große Durchbruch ist ihnen vielleicht auch deshalb bislang vergönnt geblieben. Vielleicht sollten sie sich einen weniger bescheuerten Namen geben. Und entdeckt werden.
Die Wombats. Die lieben. Die lustigen. Schon “Tokyo” hat Hunger gemacht, ihr zweiter Appetizer für das im Sommer erscheinende zweite Album lässt mal wieder keine Fragen offen. Die kennen die Punchline.
Ähnlich hibbelig und positiv-frühjährlich klingen Satellite Stories aus Helsinki:
Satellite Stories – Kids Arent Safe In The Metro by satellitestories
Genug getanzt. Die Cold War Kids haben ja dieser Tage ihr tatsächlich sehr reifes und rundes zweites Album auf den Markt gebracht. Aus eben diesem stammt das epische “Skip The Shareades”, das ganz famos ist.
Cold War Kids – Skip The Charades by Interscope Records
Ebenfalls toll: Eine Band namens Walk The Moon – so aufwändigerer Indiepop mit großen bunten knalligen Melodien. “Anna Sun” ist ein gradliniger Ohrwurm allererster Kajüte.
Dass mit einem guten Album von Death Cab For Cutie im Jahr 2011 zu rechnen ist, kann noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Das letzte Werk blieb nämlich deutlich hinter den Erwartungen zurück. Für “Codes And Keys” allerdings gibt es Hoffnung. Denn der Vorweg-Hit “You Are A Tourist” trägt eine neue, für DCFC ungewohnte Note. Weniger Geschwelge und viel mehr Dynamik. Ein kraftvoller Song, dessen Refrain bei genauerem Hinhören tatsächlich eine Gitarrenfigur ist. Very nice!
Death Cab For Cutie – You Are A Tourist
Auf der 71. Spreewelle gibt es nicht viele Experimente. Da fällt schon so etwas wie “Hannah” von den Freelance Whales aus dem Rahmen. Eine sehr sympathische Band mit ausgefeilten, breitproduzierten Tonmaterial.
2009 entdeckt und für äußerst gut befunden: Metronomy. Da gibt’s wohl bald ein neues Album. Die etwas verschrobenen Londoner bleiben ihrem entrückt-entzückenden Clash aus Electro und Alternative treu.
Neues gibt es auch von TV On The Radio. Die Lieblinge der Musikjournalie haben mit “Anytime Will Do” ein respektables Pferd vor ihr im April erscheinendes Album “Nine Types Of Light” gespannt.
TV On The Radio – “Will Do” by Interscope Records
Die Seite eins wird von dem Mann beschlossen, der auch die zweite eröffnet. James Vincent McMorrow, der schon in der letztmonatigen Ausgabe vertreten war, begeistert mit seiner soft-souligen Vortrag folkiger, fast country-esker Indie-Kompositionen. Seine Stimme erinnert dabei unweigerlich an Bon Iver, ist aber fester und bestimmter, ohne weniger sinnlich und schön zu sein.
James Vincent McMorrow – We Don’t Eat
Es ist ein Glück, das auch Okkervil River ein neues Album herausbringen. Noch ein größeres Glück ist es, dass es sich dabei um ein gutes handelt. Beweise? Na bitteschön:
Okkervil River – Mermaid by weallwantsome1
Nach diesem exterm-folkigen Beginn geht’s weiter mit einer Band, die all die schlauen Leute aus den Magazinen mochten, mit der ich mich aber nie so richtig mit anfreunden wollte. Zu anstrengend die Beschäftigung. Die Rede ist von Deerhunter. Bei “Helicopter” beginne ich nun zu verstehen, was daran so toll sein soll.
Weiter mit einer vertäumten Ballade, die gleichzeitig nach großer weiter Prärie und kleinem engen Schlafzimmer klingt. Die Band trägt den schönen Namen Heart Kill Giant.
Heart Kill Giant – Hymn For Her
Und nun ein paar Frauen. Mit Gitarre, guten Stimmen und noch besseren Songs.
Da wäre zum Beispiel Daughter, die kürzlich eine EP namens “His Young Heart” herausgebracht. Zerbrechlich, roh, stimmungsvoll:
Ähnliches Horn: Agnes Obel. “Brother Sparrow” klingt lyrisch, verschlungen, versunken und höchste sowie intimste Singerin-Songwriterin-Kunst.
Es gibt viel gute Musik. Man kommt nur grad kaum hinterher. Einen guten April allenthalben.
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CD 1:
Life In Film – Sorry |
CD 2:
James Vincent McMorrow – We Don’t Eat |
Photo-Credits: Charly
Photo-Location: Loxx
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