Schnappszahl. Die 77. Ausgabe der Spreewelle setzt der dunklen Jahreszeit warme Musikalien entgegen. Mit alten Bekannten wie Bon Iver, dEUS oder Feist, aber auch mit vielen neuen Freunden wie z.B. Gotye, Birdy und Fink. Heuer fangen wir dabei mal von hinten an.
“I guess that I don’t need that though
Now you’re just somebody that I used to know”
Zäumen wir doch mal das Pferd von hinten auf. Seite 2 beginnt mit einer so unendlich hübschen Indiemelodei, dass einem das Herz springen möchte. Aus Texas kommen Wild Child – und ihr “Pillow Talk”, dass zwar mit Okulele anfängt, aber dem großen Gefühl endet, hat sich im Oktober redlich die Lorbeeren verdient in den Musikblogs landauf und ab. Folk in his sweetest way – und natürlich ein Duett – das geht dier Tage sowieso gut, aber dazu später mehr.
Pillow Talk by WildChildSounds
Dass der Klappentext sich diesmal zu Beginn der zweiten Seite widmet hängt stark mit Birdy zusammen. Bei dieser Interpretin handelt es sich um ein erst erschreckensterweise erst 15-Jähriges Mädchen aus Lymington, UK. Schon auf der vorletzten Spreewelle war sie mit ihrem Bon Iver-Cover Skinny Love an Bord. Dass es sich dabei nicht um einen glücklichen Zufall handelt, sondern dass da ein echter Star geboren ist, beweit Birdy mit ihrem gestern erschienenden selbstbetitelten Longplayer. Für die 77. Ausgabe wurde daraus die Cherry Ghost-Nummer “People Help The People” ausgewählt. Die junge Dame, die mit bürgerlichem Namen Jasmine Van den Bogaerde heißt, interpretiert auch diese fein ausgesuchte Indiesternstunde mit einer unnachahmlichen Mischung aus Unschuld und Versiertheit.
Auf der ersten Seite gibt es als Bonus den sehr zeitgenößischen Remix der ebenselben Nummer – TIP’s Sunk Hearts Rework von “People Help The People” kombiniert das Zauberhafte der elfenhaften Britin mit der Slikness des verspielt-zwingenden Dubstep eines James Blake. Love it.
+++ Birdy ~ People Help The People (TIP’s Sunken Hearts Rework) — by T.I.P
Ebenfalls weiblich, ebenfalls so, dass man vor Schönheit fast ertaubt: Feist. Hätte ja gedacht, man könnte das zarte Stimmchen über haben. Zu oft gedudelt durch die Coffeeshops des Lebens. Aber denkste. “Metals” hat mich zumindest auf ganzer Linie überzeugt. Da ist auch nichts, was man Leslie Feist, Mocky und Gonzales vorwerfen könnte. Die Platte klingt null nach der Konversation-des-erprobten-Klangs. Vielmehr eröffnen die minimalistisch, zurückgezogenen Arrangements neue Horizonte. Zum Schwelgen schön. Das komplette Album als Stream in ziemlich guter Qualität gibts bei Simfy.
Wir sprachen zu Beginn über Duette. Ein wirklich markerschütternd schönes davon gibt es auch auf der ersten Seite. Es singen Gotye und Kimbra. “Somebody That I Used To Know” klingt wie aus einer anderen Zeit. Es nimmt sich Zeit, viel Zeit, um die nötige Spannung aufzubauen, um die älteste Geschichte der Popmusik zu erzählen. Der elektrisierende Track erzählt die Geschichte einer Trennung aus beiden Perspektiven und bringt die Verzweifelung, die Beziehungen innewohnen kann perfekt auf den Punkt.
Somebody That I Used To Know (feat. Kimbra) by Gotye
Übrigens auch visuell ist die Nummer große Kunst:
Schon jetzt hat dieser Song eine Platzierung in den Top 5 des Jahres 2011 sicher. Da irgendwo in der Nähe wird sich dann bestimmt auch das ranzige Discostück “How Deep Is Your Love” von The Rapture befinden. Das Dreigestirn aus Brooklyn haben nach langer Pause ihren neuen Longplayer “The Grace Of Love” veröffentlicht und beweisen mit dieser Indie-Über-Single, dass es manchmal ratsam ist Guten Dingen Weile einzuräumen.
The Rapture – How Deep Is Your Love by DFA Records
Da in den letzten Monaten an dieser Stelle der lauten Seite immer so viel Platz eingeräumt wurde, bleibt hier nur der schriftliche Verweis auf Apparat, Princeton, Justice, Das Pop und dEUS.
Wir konzentrieren uns zuletzt noch einmal auf ein paar novembrige Sounds. Bon Iver, der alte Waldschrat, gehört in diesem Jahr zu dem am häufigsten geremixten Künstlern des Indieuniversums. Viel Schatten ist dabei, aber eben auch mal Licht. Wie zum Beispiel der Azedia Remix von “Calgary”.
Bon Iver – Calgary (AZEDIA remix) by AZEDIA
Und schließlich – die Spatzen pfeiffen es von den Dächern – Fink hat ein neues Album draußen. Das ist, wie alles was der vor allem als Songwriter bekannte Folkindianer, wieder fabelhaft geworden. Und er singt sogar über unsere Stadt! “Berlin Sunrise” ist ein hypnotischer Sonnenaufgang, der perfekt ans Anfang oder ans Ende eines jeden Mixtapes passt.
Coverphoto-Location: Chinatown, NYC, Baby!
| CD 1: 01 Apparat – Song Of Los 02 The Rapture – How Deep Is Your Love 03 Caribou – Odessa 04 Birdy – People Help The People (TIP’s Sunken Hearts Rework)128 05 Princeton – Clamoring For Your Heart 06 Gotye – Somebody That I Used To Know 07 Geoffrey O’Connor – Whatever Leads Me To You 08 Kanye West – Otis (Aylen Remix) 09 Justice-Newlands1 10 Housse De Racket – Roman 11 The Van Jets – Teevee 12 Teddiedrum – Miami 13 The Vaccinces – All In White 14 Ben Lee – Pointless Beauty 15 Sherman – On Your Side 16 dEUS – Constant Now 17 Das Pop – The Game 18 Eliza Doolittle – Skinny Genes 19 Annouk – Killer Bee 20 Boots Electric – Complexity |
CD 2: 01 Wild Child – Pillow Talk 02 Air Review – America’s Son 03 Gabriel Rios – Dauphine 04 Coldplay – Us Against the World 05 Bosse – Na?chsten Sommer 06 Bon Iver – Calgary (Azedia Remix) 07 Feist – Bittersweet Melodies 08 Marble Sounds – Sky High 09 Birdy – People Help The People (Live Version) 10 Fink – Berlin Sunrise 11 Flunk – On My Balcony 12 City And Color – As Much As I Ever Could 13 Noel Gallaghers High Flying Birds – If I Had A Gun 14 Ozark Henry – It’s In The Air Tonight 15 Nada Surf – When I Was Young 16 Alex Turner – Piledriver Waltz 17 Benjamin Francis Leftwich – Atlas Hands 18 Sir Simon – Smells Like Teen Spirit 19 Nneka – Restless 20 M83 – Wait |
Spreewelle – Ausgabe 81
Spreewelle 2011 – Top 40
Spreewelle 79 – It’s Christmas
Spreewelle – Ausgabe 78
Spreewelle – Ausgabe 77