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Spreewelle 140

Spreewelle – Nr. 140

  |   2017, Kompilationen

Das tief empfundene Misstrauen gegen den Monat Januar wird nicht kleiner durch die Amtseinführung Donald Trumps am heutigen Tag. Wir blicken aber nach vorn, beziehungsweise mal dorthin, wo es nicht weh tut. Auf die vielen spannenden Neuveröffentlichungen, die uns dieses Jahr erwarten. Und mit einer Kompilation, bei der im Pressetext irgendwas von „kehrt zurück zu ihren Wurzeln“ stehen könnte. Denn die 40 Tracks des ersten Monats sind eine ziemlich homogene und gute Sache.
 

 
Die gesamte erste Halbzeit kann – trotz durchaus schwungvollem Tempo und Sound – die Melancholie nicht abschütteln. Am besten fasst das der Niederländer und 80s-Widergänger Thomas Azier diese Stimmung zusammen. Der Lieblingstrack des Monats heißt „Talk To Me“.
 

 
Die Kombination aus kaltem Soundteppich und zerbrechlicher, schwebener Stimme beherrscht auch SOHN. Dessen zweites Album erschien vor ein paar Monaten und ist deutlich sperriger als das Debut. Der Song mit dem freundlichen Namen „Conrad“ gilt hier schon als das eingängigste, was der in Wien lebende Brite auf seinem Nachfolger im Angebot hat.
 
Nach ein paar Songs wird es gitarriger. Zum Beispiel mit Indierock-Herzschmerz in Reinform von Palace.
 

 
Das aktuelle Album der Leipziger Band Malky heißt „Where Is Piemont“ und hält mit „Lampedusa“ ein sehr schönes, kleines politisches Statement bereit, das es zurecht in die Heavy Rotation bei Flux FM geschafft hat.
 

 
Vor sechs Stunden veröffentlichten Maximo Park mit „Risk To Exist“ den ersten Vorgeschmack auf das im April erscheinende – ebenfalls wohl nicht unpolitische – neue Album. Die Nummer hat es gerade noch so vor Redaktionsschluss auf die Januarliste geschafft. Recht typischer MP-Sound, energetisch und dringlich.
 

 
Auch die Shins scheinen Neues im Köcher zu haben. Das locker-flockige „Name For You“ kommt ohne Überraschung aber mit viel guter Laune um die Ecke.
 

 
Auch xx haben neues Material. Die Journalie ist ganz außer sich. Die Londoner haben auf ihrem dritten Longplayer wohl genau den richtigen Ton getroffen. Raus aus der verheulten Schublade, mehr Saft und mehr Kraft gibt es auf „I See You“ zu hören.
 

 
Wo wir von Neuveröffentlichungen sprechen: Verschont habe ich Euch mit der Vorabsingle von Arcade Fire. Und auch der seit heute im Netz befindliche neue Track von den Gorillaz ist mehr Statement als Song.
Dann doch lieber mal ein Nachtrag. Rag’n’Bone Man hat – wie nachzulesen ist – als britischer Soulsänger, der eher dem Indiesegment zuzuordnen ist – einen fetten Nummer 1 Hit in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehabt. „Human“ kam mir erst ein halbes Jahr später zu Ohren. Bei der ziemlich famosen Veranstaltung „Sing-de-la-Sing“. Auf der 140 gibt es als Eröffnung für die Seite 2 die akustische Variante des Modern Gospel.
 

 
Dann wird’s: gefühlig. Ziemlich anstrengend ist die Originalversion von „Alive“. Der umtriebige DJ und Produzent Madden aus Norwegen hatte mit der Nummer einen veritablen Hit und nutzte das erste Mal seine eigene Stimme für die Aufnahme. Viel viel besser ist die Pianoversion dieser glänzend klassischen Ballade.
 

 
Auch aus dem Norden kommt Lukas Graham. Die dänische Band sammelte drei Grammy-Nominierungen ein und zeigt uns, wie hübsch eine Melange aus Soul, Hiphop-Einflüsse und Singersongwriter klingen kann.
 

 
Außerdem: Ein tolles Cover von Human Leagues 80s Smashhit „Don’t You Want Me“ von der Washingtoner Indieband Young Summer
 

 
… großes, trauriges Kino der australischen Band Fractures
 

 
… und ein paar Perlen vom Schlage eines Glen Hansard.

 
Während dieser Artikel geschrieben wurde, ist Donald Trum offiziell Präsident geworden. Es hat also leider nichts geholfen. Tröstet Euch mit der Spreewelle.
 
 
 
Coverlocation: Toulouse
 
 

Seite 1

  • Roosevelt Belong
  • SOHN Conrad
  • Harrison Brome Midnight Island
  • Thomas Azier Talk To Me
  • Charlie Cunningham Minimum
  • Oliver Riot Alcatraz
  • Palace Its Over
  • Malky Lampedusa
  • Torpus & the Art Directors Drive In Hushed Tones
  • The Dead Ships First Mistakes
  • Egil Olsen You And I Forever
  • Maximo Park Risk To Exist
  • The Shins Name For You
  • The Family Crest Love Don’t Go
  • Milky Chance Doing Good
  • The Lumineers Sleep On The Floor
  • Mark Daumail Mistaken
  • Electric Guest Dear To Me
  • Kita Alexander Go My Own Way
  • The xx I Dare You

Seite 2

  • Rag ’n‘ Bone Man Human (Magic Garden Sessions)
  • Bright Light Bright Light In Your Care (Solo Piano Version)
  • Madden Alive (Acoustic)
  • Lukas Graham 7 Years Old
  • Oliver Riot Neurosis
  • Young Summer Don’t You Want Me (The Human League)
  • Linying Sticky Leaves
  • Fractures Mortal
  • Sons Of The East Fa?ade
  • The Slow Show Bloodline
  • Air Review Young
  • Luke Sital-Singh Fail For You
  • Andrew Bird Roma Fade
  • Rosie Thomas Farewell
  • Agnes Obel Close Watch
  • Kwamie Liv 5:00 AM
  • Denmark And Winter Every Breath You Take
  • Glen Hansard & Marketa Irglova Sleeping
  • Prince of Spain Brothers
  • Charles William How You See The World