Off The Radar: Wer sich in die ungekrönten Slowmoer Kings Of Convenience und vor allem das zarte Stimmchen von Erlend Oye verliebt hatte, für den hielt der Herbst 2006 genau das richtige parat…

Gemeinsam mit Männern, die so klangvolle norwegische Namen wie Marcin Öz und Daniel Nentwig tragen, nahm Oye – übrigens im Berliner Cafe Moskau – „Dreams“ auf. „The Whitest Boy Alive“ treten damals erstmals mit einem Longplayer in Erscheinung. Für diejenigen, die über die Gemütlichkeitskönige auf TWBA stoßen, gibt es – vielleicht zum Glück – wenige Überraschung. Das norwegische „Dreams“-Team bietet zehn lupenreine Songs, die ganz locker auch zum sogenannten New Acoustic Movement gezählt werden können. Zwar gibt es – Achtung – elektirsche Gitarren, die werden aber ganz ganz vorsichtig in melodiefarbenem Geschenkpapier verpackt und mit einem Stimmenband aus rotem Samt verziert.

Die Legende sagt, Erlend Oye hielte sich von Beginn an für keinen guten Sänger. Nur so soll seine zurückhaltene Art zu singen zu Stande gekommen sein. Zurückhaltend sind auch die Songstrukturen. Auch hier in der etwas ungehobelten elektrischen Variante erinnern Oyes Songs immer ein wenig an Simon And Garfunkel, klingen auf „Dreams“ aber viel frischer als auf den Convenience-Alben.

„Don’t Give Up“ ist so ein Beispiel dafür. Es passiert nicht wirklich viel in dem Song, über die interessant hin- und herruckelnde Rhythmusgruppe legt sich Oyes Stimme wie eine warme Decke. Und es passiert etwas, das einem nur bei wenigen Songs passiert: Man wünscht sich, dass sie genau so bleiben wie sie sind – eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, gerne noch länger. Denn die Stimmung stimmt. The Whitest Boy treffen auf „Dreams“ ungewöhnlich oft genau den richtigen Ton zwischen Optimismus und Schwermut. Wer schnell noch die wichtigsten Platten des vergangenen Jahres nachanschaffen gehen will, kommt um diesen Longplayer nicht herum.

(10/10)

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