Das Jahr 2007 fängt verheißungsvoll an. Aus dem Land des Mike Stinners kommt ein glänzend poliertes tanzbares Indie-Funk-Hop-Album daher…

Der Mann ist noch sehr jung. Der Mann hat nicht ganz den Glaubwürdigkeitsvorschuss eines rauen Vorstädter-Backgrounds wie roughere Kollegen aus der britischen Gosse. Aber er ist ja auch nur Just Jack. Das Image-Understatement tut gut – gerade im so genannten Hip Hop. Der hat ja auch mit 2006 das schlechteste Jahr seit seiner Geburt hinter sich.

Just Jack – der in Wirklichkeit noch unaufgeregter heißt, nämlich Jack Allsopp – handelt es sich um keinen guten Rapper, das mal gleich vorweg. Seine Reime erinnern in schlechten Momenten ein wenig an die Sprechgesangversuche eines Robbie Williams. In guten Momenten an den momentan noch senkrechter startenden Jamie T. Im Vordergrund seines neuen Albums steht aber sowieso die Musik. Auf „Overtones“ befinden sich zwölf handverlesene Hip-Hop-Pop-Perlen, so kristallklar poliert und so tight und zwingend rund wie lange nichts mehr. Als hätte er sein Lebtag nichts anderes gemacht hat, bewegt sich Just Jack sicher zwischen Neptune-Minimalismus („Symphony Of SIlence“), Jamiroquaiismus („No Time“) und vom slappenden Bass getragener Coolness („Writer’s Block“). Man muss sich ein wenig hangeln bis man auf diese Vergleiche kommt, denn Jack macht das alles so echt, das man eigentlich auf alle Referenzen verzichten und dem Gesamtwerk einfach Tribut zollen möchte.

Die allerschönsten Momente erlebt „Overtones“ immer dann, wenn Just Jack frech und zu recht, tanzbare Vibes mit Ingredienzien des Indie-Pop vermischt. So wackelt sich „Starz In Their Eyes“ wie ein aufgezogener und endlich mal in Fahrt gebrachter Badly Drawn Boy durch die virtuelle Diskothek des Vertrauens. Wie auch an anderer Stelle („Mourning Morning“) verzichtet Just Jack hier wenigstens in den Strophen auf den gesprochenen Gesang und zeigt, dass man ihn durchaus auch als Sänger bezeichnen kann. Insgesamt zählt „Overtones“ zu den erfreulichsten Neuigkeiten des noch jungen Jahres. Und in der Entzugsklinik weint Robbie Williams: Denn genau so muss es klingen, wenn man auf Hip Hop & Dance steht, aber eigentlich eher ein lausiger Rapper ist.

9/10

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