Von wegen Aprils Fool. Sun Kil Moon ist zurück. Nach jahrelanger Absitenz – unterbrochen nur von dem ebenfalls sehr hörenswerten und gleichzeitig sonderbaren Modest-Mouse-Cover-Album „Tiny Cities“ – stellt Mark Kozelek sein neues Album vor. Der 40jährige San Franciscaner entschmeichelt seiner Gitarre seit der Auflösung der Red House Painters durchgängig melancholisch, aber eben auch zeitlich bedächtig wundersame Töne der Nacht.

„April“ hat zwar nur 11 Stücke, kann aber auf stolze 74 Minuten Spielzeit verweisen. Im Umkehrschluss liegt da die Befürchtung nahe, dass sich hier jemand verkünsteln will und sich genötigt fühlt, getösige Großbauten voll schillernder Dramaturgie und redundanter Höhepunkte zu entwerfen. Doch es ist ganz anders. Die Länge von Titeln wie „Lost Verses“, „Tonight The Sky“ oder „Heron Blue“ ist nur der Tatsache geschuldet, dass sich Sun Kil Moon Zeit lassen. Und genau das sollte man selbst auch machen, wenn man sich denn mit dem Album auseinander setzen möchte. Aber es lohnt sich. Umso heftiger können teilweise überraschende Melodien und Chöre das Herz des Hörers treffen.

Nehmen wir nur mal „Tonight in Bilbao“. Ein säuberlich ausgelegter, unauffällig gefärbert und fein gewebter Gitarren-Teppich bildet den perfekten Untergrund für das langsame Ein- und Ausatmen des Songs. Und dann legen sich Mark Kozeleks weichen Stimmbänder darüber und begleiten das wohl-instrumentierte Gefüge durch die Wellen, um den Song ausführlich vorzubereiten auf den kleinen Bruch, dem leichten Tempowechsel, dem letzten Geleit zum Ende des Songs.

Mark Kozelek macht also für das Genre alles richtig. Was ihn neben der Perfektion in Kompsotion und Gesang zusätzlich auszeichnet, ist das beeindruckend behände Spiel mit der Gitarre. Gut, das mögen viele Singer-Songwriter von sich behaupten, sie haben ja meist (sonst) nichts. Aber auf „April“ hat die Fingerfertigkeit schon äußerst beachtliche Ausmaße, die glücklicherweise nur in ganz seltenen Fällen hier und da mal in verspielter Überflüssigkeit ausufern.

Wer Zeit, ein wenig Geduld, eine gewisse Offenheit ggü. Singer-Songwritertum oder wahlweise eine Kerze mitbringt, der wird sich an „April“ ergötzen können. Und wieder und wieder hören.

Wertung: 9/10

April

Dass Kollege Kozolek nicht grad das ist, was man eine Grinsebacke nennen könnte, zeigt folgendes Interviewmaterial. Nach seiner Nörgelei, singt er auch noch mal.

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