Es ist geschlagene sechs Jahre her. The Notwist hatten ihren größten Erfolg. Mit „Neon Golden“ platzierten sie sich in den Top 10 Verkaufscharts (in einer Zeit wohlgemerkt, in der noch CDs gekauft wurden) und gewannen den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik und erlangten Goethes Ehren, was die Herren um Markus Acher aus dem beschaulichen oberbayerischen Idyll Weilheim sicher mit Stolz erfüllte.

Was aber viel wichtiger war: The Notwist gaben der Indiegemeinde mit Songs wie „Consequence“ und „Pick Up The Phone“ unsterbliche Melodien an die Hand, das Ohr und die Seele. Die sechs Jahre der Stille blieb die Band deshalb immer präsent. Notwist-Situationen sind schließlich Momente, die einen immer wieder im Leben begegnen.

Und jetzt begegnet einem endlich auch ein neues Album. Es trägt den feinen Titel „The Devil You And Me“ und es ist: Ein Überalbum. Allerdings: Es gibt keine Überraschungen. Es gibt keine waghalsigen Experimente. Es gibt keine neue Richtung. Viel eher ist es die Perfektion der eigenen Stärken. Die Essenz. Das Gold.

Und so taugen die wohl weisesten Lyrics ever so gar nicht zur Verortung von Notwist im Jahre 2008. Denn gleich im Opener heisst es „Let’s just imitate the real until we find a better one“. Aber auf „The Devil You And Me“ zitiert Notwist nicht Notwist. Nein, hier justiert eine Band ein musikalisches Konzept derart fein, dass man Gänsehaut bekommt. Schon auf Neon Golden und Shrink hat die Band bewiesen, dass sie es wie keine andere versteht, aus augenscheinlich Wenigem ein Mehr zu schaffen, das vieles vordergründig Großes locker überragt.

Beschränken wir uns auf ein Beispiel, nehmen wir „Boneless“, das so niedlich und amateurhaft beginnt. Zwei Töne auf einem verstimmten Klavier hecktisch gespielt, eine nicht weniger einfallslos klingende Gitarre stimmt mit ein. Und Markus Achers ängstlich zurückhaltenes Organ gesellt sich schüchtern dazu. Dann scheinbar zufällig nimmt der Song die Abkürzung in den Refrain. Die Heizung geht an, die Melodie offenbart langsam aber unmissverständlich seine Eindringlichkeit. Und schließlich ist man verloren. In so viel schlichter Weisheit. In so viel verständnisvoller Einsamkeit.

So funktioniert das Konzept Notwist. Immer wieder. Jeder Song auf dem Album schmiegt sich in so elegant unaufdringliche Art und Weise ans Herz, das man nicht weiß, wie man ohne diese Musik je leben konnte. Wer Notwist langweilig findet, hat kein Herz.

Wertung: 10/10

ANMERKUNG:
Peinlich, peinlich. Und danke, Katrin. Für alle, die Bilder zur Musik brauchen: Notwist sind schließlich Notwist. Und nicht Goldrush. So lebt’s sich unter dem Druck des so genanten Bloggens.

Album kaufen: The Devil, You+Me

Offizielle Webpage

„Gone Gone Gone“ aus dem aktuellen Album (allerdings nicht offizielles Video)

Offizielles Video „Where In This World“ aus dem aktuellen Album (allerdings längst nicht das stärkste Stück)

Zur Erinnerung: „Pick Up The Phone“ aus dem Album „Neon Golden“ (2002)

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