Mag sein, dass es der Spaß an GUITAR HERO ist. Vielleicht aber auch liegt es einfach an der Trendwende oder besser vielleicht gleich dem Trend-Ende.

Goldbecksgeschwängerte und chuckstragende Indiepopveröffentlichungen over and over again führen irgendwann in die Sackgasse der Langeweile. Der Sound der Zeit sucht sich kleinere, stylistisch-divers-akzentuierte Wege (Indielectro, New-Rave und seine Freunde). Und so verwässert sich das was Pop ist. Es wird dadurch nicht weniger schön, aber automatisch weniger greifbar.

Das Großgenre Indiepop also in der Trenddepression. In einer solchen Phase sollte man sich hüten, bei dem einen Anderen, was einem über den Weg läuft, sofort „Next Big Thing“ marktzuschreien. Und trotzdem: Gerade weil sich der Sound der Band so derart heftig mit der versnobten Rotznasigkeit der nicht enden wollenden Bloc Parties reibt, muss Musik vom Schlage The Hold Steady durchaus näher betrachtet werden.

The Hold Steady kommen aus Minneapolis und sind fast vierzig. Uralt also. Ihr aktueller Longplayer „Stay Positive“ ist bereits das vierte Werk der Wahl-New-Yorker. Nach dem Durchbruch mit „Boys And Girls In America“ unterlegen sie jetzt ihren Siegeswillen mit dem 2008er Release, das hier und da schon als moderner Rock-Klassiker ausgezeichnet wird.

Da ist es. Dieses Wörtchen. Rock. Gar nicht eine so gewagte These zu behaupten, das allein schon die graphologische Anmutung des ersten Buchstabens den Unterschied definiert. Eine runde, abgehobene Sache mit festem Standbein (statt eben nur einer runden Sache wie beim Genrevetter Pop).

Und so steht „Stay Positive“ eben auch fest verwurzelt da. Beseelt, sofortig, furios, starkstromig, gewaltig, ehrlich – man möge sich Adjektive des Vertrauens aussuchen. Sie alle passen auf den Output der Amerikaner wie Fäuste auf Augen.

Und natürlich ist das alles andere als neu. Bruce Springsteen aus jeder Note, aber klar! Meinetwegen auch Mark Knopfler oder John Mellencamp. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zu diesen Vergleichen. Kein Vertreter dieser so genannten „Altmeister“ bastelt heute noch so gradlinige Musik zurecht. Das klappt scheinbar eben nur ein paar Alben lang. The Hold Steady stehen gerade in voller Blüte. Wer von den alten Knackern eh nichts hält (ich! ich!), dem sind Vergleiche zu Moneybrother, Soul Asylum, Rooney oder Hot Hot Heat ans Herz gelegt. Das ist erlaubt, sobald man den Radius ein wenig großzügiger anlegt.
Nähert man sich über diesem Weg den Hold Steadies, könnte es passieren, dass man sie mag. Dicke Riffs! Schrammel-Schrammel! Schweineorgel!

Nagut. Natürlich hilft auch GUITAR HERO.

7/10

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