Aprilwetter musste 2009 neu definiert werden. Der gesamte Monat putzte sich fein heraus und tat so als sei Sommer. Mir nichts, Dir nichts. Daran können sich die Folgemonate alle ein Beispiel nehmen. Und so kommt es auch, dass der Aprilsampler eine ordentliche Portion Sunshine-Musik zu bieten hat.

Es startet der unvermeidliche Peter Fox. Sicher, viel zu spät. Sein Stadtaffen-Album liegt schon Monate zurück. Wahrscheinlich musste erst die Sonne Kraft genug bekommen, dass man sich getraut, den Herrn Fuchs als Festredner ans April-Podium zu bitten. „Alles neu“ ist wie gesagt alles, aber nicht neu. Die himmlischen Geigen, der großartige Move, der geistreiche Text: Seeeds Oberaffe hat sich den Opener verdient – ganz ohne zu doll nach Raggae zu klingen. Mit dem DFA-Remix von MIAs Paper Planes, der in Slum Dog Millionaire zu spätem Ruhm kam und mit Trolle SIebenhaars „Numbed“ geht es für die Spreewelle off-Beat betont an selten bespielte Genres vorbei. Wenn schon, denn schon.

„Voll schön“ ist auch Fol Chen. Die kommen aus Kalifornien, klingen aber überhaupt nicht so. Lustiges Indieelectrogeschraubsel mit allerfeinster Hit-Nase. Ein bißchen nervig ist, dass alle Indiebands mit wenig Geld in der Tasche unbedingt ein Stop-Motion-Video machen müssen. Aber was soll’s: „Cable TV“ macht Spaß.

Und als hätte man sich abgesprochen trägt selbst Pete Doherty’s „Last Of The English Roses“ bereits etwas sommerlich-schwüles in sich. Die Single aus seinem im März erschienenden Solo-Album klingt überrachenderweise nicht so wie man es vermutet hätte, sondern ganz anders, nämlich schwerfällig-gewittrig nach den Gorillaz. Das mag an Graham Coxon liegen, der die Platte mitproduziert hat und als Exgitarrist von Blur sich von Damon Albarn die Soundästhetik abgeguckt hat – und glücklicherweise bei den Spirenzien das Abgucken abgebrochen hat.

Drei Hit-Giganten reihen sich gegen Ende der wie gesagt sehr fröhlich anmutenden ersten Hälfte aneinander: Die unvermeidlichen Maximo Park, das großartige ‚1989‘ von den Rakes und schließlich natürlich Franz Ferdinand.

Wer den Unterschied zwischen winterlicher und frühlingshafter Melancholie nachempfinden kann, wird bei den ersten sechs Tracks der zweiten Seite seelig dreinblicken. Neben den Exlovers (traumhaft: „Photobooth„) und Maximo Park („Questing, Not Coasting“) schluchzt Sophia das herzzerreißende „There Are No Goodbyes“. Nichts für Lebensmüde, aber für alle anderen ist jede Minute ihres gerade veröffentlichten neuen gleichnamigen Albums absolut empfehlenswert.

Entsprechend des kurzen Raggae-Ausflugs auf Seite 1 werden auf der zweiten ebenfalls die Koffer gepackt für eine kleine Reise in die 60s. Die Silver Seas und This Is Ivy League bringen unverkrampft und mit vollem Bewußtsein die nötige Prise „Kopf-hoch“ in die Zusammenstellung: „Don’t let the tiniest of troubles bring you down my friend“

Bon Iver und Regina Spector treten dann zum Kompilationshöhepunkt auf. „Blindsided“ und „Samson“ – nicht brandneu aber garantiert wertverlustfrei.

Spreewelle Ausgabe 49 läuft dann zu intelligenten Ambient-Pop-Tönen aus. Sigur Ros und Trentemoller sind ja alte Bekannte, aber Raz Ohara hab zumindest ich erst seit diesem Monat auf dem Zettel. Betörend, diese „Kisses“.

CD 1:
Peter Fox – Alles Neu
Peaches – Talk To Me
M.I.A. – Paper Planes (DFA Remix)
Trolle Siebenhaar – Numbed
Disco Ruido – Mrs Love
Fol Chen – Cable TV
El Michels Affair – C.R.E.AM
Peter Doherty – Last Of The English Roses
Exit The Ordinary – Letting Go
Kyle Andrews – Sushi
Poland – Finally September
Hey Champ – Cold Dust Girl
1990s – Balthazar
Franz Ferdinand – No You Girls
Maximo Park – The Kids Are Sick Again
The Rakes – 1989
Goldspot – Float On
Bishop Allen – Dimmer
Death Cab For Cutie – My Mirror Speaks

CD 2:
Maximo Park – Questing, Not Coasting
Exlovers – Phonebooth
Sophia – There Are No Goodbyes
Kettcar – 48 Stunden
Clueso – Kein Bock Zu Gehn
Declans Well – Breaking Away (Owen Cover)
Casiotone For The Painfully Alone – Natural Light
The Silver Seas – Imaginary Girl
This Is Ivy League – The Richest Kids
Ryan Lindsey – An Introspective Personality
Gregory And The Hawk – Boats And Birds
Bon Iver – Blindsided
Regina Spektor – Samson
Phoenix Foundation – Slumber Party
Phoenix – Playground Love (Air)
Merz – Warm Cigarette Room
Raz Ohara And The Odd Orchestra – Kisses
Trentemoller – Miss You (Original Version Radio Edit)
Sigur Ros Feat. Mobb Deep – Shook (Emancipator Mash Up)

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