Ab in den November. In die kalte, unbequeme Jahreszeit. Die 67. Ausgabe der Spreewelle hält alles parat, was man benötigt für diese 30 Tage der Dunkelheit. In Ton geblasene Kälte, melodische Antidepressiva und klingendes Selbstmitleid. Mit dabei: Männer, die von ihren Bands pausieren, Bands, die sich nach der Zeit sehnen, in der es nur um Frauen ging und Frauen, die von all dem die Nase voll haben.



Zäumen wir diesmal das Pferd von hinten auf. Will sagen: Mit der Melancholie. Typischerweise erst auf der zweiten Seite vertreten. Doch hier im grauen Grau regiert ja nichts anderes als die Melancholie. Robert Forster, seines Zeichens Chef der Go Betweens aus Australien hat diese emotionale Schwere auf den Punkt gebracht. Und zwar so genau, dass ich ganz verzweifelt nach dem Original des Stückes gesucht habe. In der falschen Annahme, ein Bob Dylan zum Beispiel habe die Worte und die Tonfolgen zu „Demon Days“ erstmals interpretiert. Aber: Fehlanzeige. Tatsächlich war es Robert Forster. Sein 2008 erschienenes Album „The Evangelist“ sei hiermit allen enthusiastischen Novemberheulsusen ans Herz gelegt.
[audio:http://www.spreewelle.de/8872828288372/RF-DD.mp3]

Etwas versöhnlicher geht es bei David Vertesi zu. Eher so die Kuschelvariante der Novemberdepression. Aber schön. Schön! Schön! Sein folkiges „All Night All Night All Night“ ist einer dieser wenigen Akustik-Songs, die in der Lage sind, sich innerhalb kürzester Zeit im musikalischen Gedächtnis unglaublich beliebt zu machen. Das liegt unter anderem daran, dass er es versteht, seine feine Hookline nicht zu verschwenderisch herauszugeben und auch genau nach 3:40 Minuten Schluss zu machen.
[audio:http://themusicninja.net/newsongs/irdd-davidvertesi-allnight.mp3]

Noch weiter treibt es da Paul Smith. Der hat ja nun dieser Tage seine erste Platte veröffentlich. So ganz allein – ohne den tobenden Maximo Park. Das Werk heißt „Margins“ und es ist… nicht besonders eingängig. Und roh. Und irgendwie dahingeschmiert. Als ob seine Bandkollegen darauf bestanden haben, dass er sich beim Abmischen bzw. schon beim Instrumenatlisieren ja nicht zu viel Zeit lässt. Das Ergebnis geht über die gesamte Strecke in Ordnung. Aber es ist meilenweit entfernt vom gewohnten Maximo-Sound. Wer die Muße hat, sollte sich mit dem Album auseinandersetzen. Man kann sich nämlich den Spaß machen, die erstaunlicherweise 14 Tracks musiktheoretisch bzw. musikhistorisch auseinanderzunehmen. Dann fällt einem schnell auf, welchen Anteil Paul Smith an dem musikalischen Werk der Band hat. Keinen Kleinen. Aber für das Ganze fehlt das Andere. Trotzdem gelingt Smith auf „Margins“ hier und da ganz Wunderbares. So zum Beispiel „I Drew You Sleeping“. In seiner Songstruktur ein typisches Maximo Park-Stück: Ein halbes Dutzend Stimmungen in weniger als vier Minuten. Aber: Das Tempo ist ein anders. Und auch der Mut zum großen Gefühl. Dabei aber auch, die unbedingte Selbstdisziplin: Bloß nicht zu gefällig klingen! Bloß nicht einen eckenlosen Hit abliefern! Und so trabt der Song los (übrigens mit einem katastrophal schlecht gespielten Schlagzeug!) – eine Strophe, die irgendwie fern klingt, aber doch ihre Anziehungskraft entfalten kann. Bis zur Bridge. Die einfach eine Frechheit ist. Weil sie so völlig unnötig disharmonisch daherkommt. Und in der ersten Hälfte des Songs auch noch zwei mal hintereinander gespielt ist. Aber dann. Dann da. Da! Dieser Refrain! Der Song blüht auf, entfaltet sich. Neigt sich sogar zum Kitsch. Aber das darf er sich leisten. Schließlich hat Smith darauf geachtet, dass es bis dahin kein leichter Weg war.
[audio:http://www.spreewelle.de/8872828288372/PS-IDYS.mp3]

Der Paule ist ja nicht alleine im Alleinesein. Auch Brandon Flowers, der Sänger der Killers, hat in diesem Herbst sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Ein ganz anderes aber. Denn es ist ziemlich kompromisslos radiotauglich. Flowers (allein der Name schon!) beschreitet den breit ausgetretenen Weg, den seine Hauptband mit dem unsäglichen „Human“ auf dem weniger schönen zweiten Album der Band planiert hat, weiter. Da ist vieles belanglos. Schön allerdings ist zweifelsfrei das mit Jenny Lewis eingesungene Duett „Hard Enough“ – eine Indiepoppowerballade, die so geradeaus ist, das es auch nichts mehr macht.
[audio:http://schrodingersblog.com/sound/tune-dex/hardenough.mp3]

Verlassen wir mal die Männer, die ihre musikalische Freiheit suchen und kommen zu Alexander. Einen Mann, den man im weitesten Sinne mit Edward & The Magnetic Zeros assoziieren kann. Das an sich ist ja schon gut. Aber dieser sonderbar eingängige Western-Song ist noch besser.
[audio:http://awmusic.ca/1/mp3/Alexander-Truth.mp3]

Wir bleiben irgendwie missgestimmt. Aber mit einem ganz anderen musikalischen Hintergrund. James Blake heißt der nun folgende Mann (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Tennisspieler). Er entwirft so eine Art minimalistischen Blues-Dub. „A Limit To Your Love“ ist ein Hängenbleiber im besten Sinne.

James Blake – Limit To Your Love from James Blake on Vimeo.



Schon verwunderlich, wenn sich eine Band Germany Germany nennt und dabei aus British Columbia kommt. Über die Hintergründe der Namensgebung ist mir zumindest nichts bekannt. Bekannt sollten Elektronikindiepopfummler allerdings werden. Sie füllen mit ihrem sphärisch-folkigen Sound die elektronische Lücke der zweiten Seite der Oktoberkompilation. Eine Hörprobe gibt es nicht. Dafür aber gleich eine ganze EP!
Crushed Stars fielen bereits 2006 mit ihrem Song „Sleepyhead“ angenehm auf. Aktuell gibt es ein neues Album mit Namen „Convalescing In Braille“. Daraus trüb und schön: „Black Umbrellas“
[audio:http://www.fanaticpromotion.com/projects/crushedstars/mp3/crushedstars-blackumbrellas.mp3]

I Am Kloot haben ja meiner Meinung nach mit „Sky At Night“ das beste Album seit „Natural History“ herausgebracht. Das liegt auch daran, dass sie es irgendwie geschafft haben, ihren suiziden Melodeien immer ein Stück Hoffnung einzubläuen, ohne dabei gleich im optimistischen Sinne mellow zu klingen. Ein Beweis ist „The Moon Is A Blind Eye“.
[audio:http://creamteam.info/wp-content/uploads/2010/07/06-The-Moon-Is-A-Blind-Eye.mp3]

Eigentlich sollte ja auf die erste Seite die neue Single von unseren Lieblingswombats. „Tokyo“ hört man denn auch wie in guten alten Tagen, als die Veröffentlichungsrhythmen noch eingehalten wurden, auf Motor FM. Aber das Internet? Fehlanzeige. Wir werden wohl erst in der 68.er Ausgabe der Spreewelle das Original hören. Bis dahin kann man den sowieso ganz famosen Good Natures eine Chance geben. Die haben nämlich – wie das möglich ist, bleibt ein Rätsel – „Tokyo“ gecovert. Und zwar, bevor die Single eine Single ist.
The Good Natured – Tokyo (Vampires and Wolves) by partisanpr


Zur Seite Zwei gibt es diesmal weniger Ausformuliertes. Dafür Anklickbares. Zum Beispiel: One Night Only mit einem leckeren 80er-Jahre-Riff:
One Night Only – Say You Don’t Want It by alienhits


Yeasayer mit dem entrückt-epischen „Madder Red“
[audio:http://www.box.net/shared/static/m8hrta6u3u.mp3]

Elizabeth & The Catapult mit „You And Me“
[audio:http://verve.edgeboss.net/download/verve/elizabeth_catapult/02youandme.mp3]

ebenfalls weibliche Vocals mit den bereits oben erwähnten Good Natured mit „Your Body Is A Machine“
[audio:http://boxstr.net/files/6738020_dutdh/the_good_natured_your_body_is.mp3]

das Video des Monats von Ratatat. Wer nur den Song hört, findet schon den Bruno Schleinstein-O-Ton irritierend. Da hat man aber noch nicht das furchterregende Bewegtbild zum Song gesehen:

Ratatat – Drugs from Blink on Vimeo.



Ebenfalls elektronisch, weniger hektisch, aber trotzdem passgenau: Der gute James Yuill mit einem mundgerechten Empress-Remix:
[audio:http://thecultureofme.com/wp-content/uploads/2010/10/empress_captain-james-yuill-remix.mp3]

Der Soul – das große musikalische Indiethema in 2010 – macht diesen Monat etwas Pause. Fast. Owusu & Hanibal bestücken Seite eins dann doch mit etwas schwarzem Liedgut.
[audio:http://kickkicksnare.com/wp-content/uploads/2010/04/What-Its-About.mp3]

Und für die Dancing Shoes gibt’s Aeroplane mit „Superstar“:
[audio:http://groovebat.com/download/28w.mp3]

Und den Reigen beschließt eine neue Lykke Li. Diesmal allerdings aus Dänemark. Lady Gaga in Cool. Auch wenn man das Gefühl hat, der Norden Europas produziert diese musikalischen Frollein-Wunder am Fließband, entzückt diese Dame trotzdem. Oh Land heißt das Projekt. „Sun Of A Gun“ der Hit.

Oh Land- Sun Of A Gun (Live) from Oh Land Music on Vimeo.



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  • Weezer Memories
  • One Night Only Say You Don’t Want It
  • Diego Vienna
  • Kings of Leon The Immortals
  • Yeasayer Madder Red
  • Brandon Flowers Jilted Lovers & Broken Hearts
  • Elizabeth & the Catapult You & Me
  • The Good Natured Your Body is a Machine
  • Empress Captain (James Yuill Remix)
  • Ratatat Drugs
  • Owusu & Hannibal What It’s About
  • Rafter No Fucking Around
  • Bonaparte Fly A Plane Into Me
  • Mark Ronson And The Business Intl The Night Last Night Featuring Rose Elinor Dougall, Alex Greenwald
  • Mariage Blanc Rag to a Bull
  • Paul Smith I Drew You Sleeping
  • Aeroplane Superstar
  • Oh Land Sun of a Gun
  • Matt Duncan Beacon
  • Jens Lekman The End of the World is Bigger Than Love
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[unordered_list style=“number“ number_type=“circle_number“ animate=“no“]
  • The Courteeners Take Over The World
  • Brandon Flowers Hard Enough
  • Broken Social Scene Cause = Time
  • Secret Knives The Northwest States
  • David Vertesi All Night, All Night, All Night
  • Kid Francescoli 9 A.M.
  • Germany Germany Last Summer
  • Au Revoir Simone The Lucky One (James Yuill Remix)
  • Alexander Truth
  • Real Estate Beach Comber
  • Robert Forster Demon Days
  • Paul Smith While You’re In The Bath
  • Palpitation You And I
  • Bronze Leaf Shell
  • James Blake Limit to Your Love
  • Crushed Stars Black Umbrellas
  • Josh Ritter Long Shadows
  • Broadcast Come on Let’s Go
  • The Good Natured Tokyo (Vampires and Wolves)
  • I Am Kloot The Moon Is A Blind Eye
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