Das Jahr is um. Fast. Ein einziger Tag bleibt übrig und damit nur noch wenig Zeit Bilanz zu ziehen. Anders als in den Vorjahren beginnt die Jahresbeschau nicht mit den Alben, sondern mit den Tracks des Jahres. Auch sparen wir uns die Dramaturgie und teilen die Liste in mehrere Posts auf. Es geht gleich voll in die Vollen. Die 40 besten Tracks des Jahres!

Mittlerweile so oft heruntergenudelt wie das Original, aber trotzdem mit Abstand des gelungenste Cover des Jahres: Ben l’Oncle Soul mit dem unvermeidlichen „Seven Nation Army“

40. Seven Nation Army – Ben l’Oncle Soul

James Yuill ist gefühlt jeden dritten Tag in Berlin, um in irgendeiner hübschen Indiedisco seine Singersongwriter-meets-ein-bißchen-Electro-Melange vorzustellen und immer wieder verpasst zu werden, leider.

39. The Ghost – James Yuill

Zapelphilip und Shooting Star Darwin Deez‘ hat ein Riesendebutalbum in 2010 abgeliefert und wie wenig andere den Zeitgeist getroffen. „Up In The Clouds“ ist eine von 2 Platzierungen in den Top 40.

38. Up In The Clouds – Darwin Deez

Die Stars waren im Liebebarometer beträchtlich gefallen, nachdem mir irgendwann gewahr wurde, dass es gewisse stimmliche Parallelen zu den Scissor Sisters gibt. Es brauchte zwei Alben um mich von diesem Schreck zu erholen. „The Five Ghost“, ihr 2010er Werk reicht nicht ganz an ihr Meisterwerk „Set Yourself On Fire“ heran, hält aber wieder einige Bombasto-Indiepopdinger bereit.

37. Dead Hearts – Stars

Bonaparte hat überrascht. Mich zumindest. „My Horse likes You“ hatz eindrucksvoll gezeigt, dass die Chaoten uns mit ihren unglaublichen so catchy wie überdrehten Songs noch einige Jahre begleiten werden.

36. Computer In Love – Bonaparte

Weniger In-Your-Face ist da eine Band namens „Radical Face“, deren „Welcome Home“, um im Englischen zu bleiben, ein Grower ist.

35. Welcome Home – Radical Face

So ein Song, wo man gern sagt „Kennste das Video“? Das jedenfalls ist eine Hommage an American Psycho, wie man unschwer erkennen kann. Und die Coverversion des im Original relativ öden Talking Heads-Hits ist auch aller Ehren wert!

34. This Must Be The Place – Miles Fisher

Miles Fisher – This Must Be The Place (Cover) from Miles Fisher on Vimeo.

Soulcrooner wird er genannt. Das kleine dicke Cee-Lo Green. Und er hat nen guten Riecher. Und ein loses Mundwerk. „Fuck You“ ist ein ebenso perfekt produziertes wie liebevoll arrangiertes Vintage-Retro-Paket, das vielleicht ein bißchen zu doll mit der Kopf durch die Wand will.

33. Fuck You – Cee-Lo Green

Ebenfalls dem 60sRetro verhaftet, dabei aber eine ganze Spur mehr Indie und deshalb irgendwie auch liebvenswerter: Die Dänen Lars And The Hands Of Light. Leider liegt zum Anhören nicht der super Trentemøller Remix zum Vorhören vor.

32. Me Me Me (Trentemøller Remix) – Lars And The Hands Of Light

31. A Month Of Mornings – Cherry Ghost
30. Madder Red – Yeasayer

Wißta noch? The XX? Die haben letztes Jahr alle Jahresendauswertungen angeführt. Um die ist es komplett still geworden. Gut möglich, dass ihnen die Beine schlottern, bei den ganzen eingeheimsten Lorbeeren in 2009. Oder sie haben Großes vor in 2011. In 2010 jedenfalls gab es eine Art XX-Ersatz. In Form von Sarah McIntosh. Ebenfalls gerade mal 18. Ebenfalls mit einer Reihe aufsehenerregenden im Netz verbreiteter Aussichten auf großes Talent.

29. Your Body is a Machine – The Good Natured
Your Body Is A Machine by The Good Natured

Spätzünder. Green Grasses sonderbar einbrennendes „I Am Arrows“ hat es erst im späten Dezember in die Aufmerksamkeit geschafft. Toller Track.

28. Green Grass – I Am Arrows

Achja. The National. Haben die nicht auch ein Album veröffentlicht? Ha. Ohne zuviel Überraschung kaputt zu machen: Die hören wir nochmal.

27. Conversation 16 – The National

Böse Fouls gab es wenig in 2010. Nur Gutes von den Foals (Verzeihung). Deren betörender, musikalischer Grauschleier hat einen Platz in den Top 40 verdient. Auch und gerade bei den Singles. So.

26. Spanish Sahara (Mount Kimbie Remix) – Foals

Everything Everything – da stehen einem die Haare zu Berge. So viel Ideenreichtum, so viel Kreativität, so viel intelligente Querverweise. Und das alles – und das macht es Top 40-wert – ohne nicht Spaß zu machen.

25. My Kz Yr Bf – Everything Everything
Everything Everything – MY KZ, UR BF – thepopsucker.blogspot.com by the Pop Sucker

Irgendwie immer zum Heulen. Anthony & The Johnsons. Daran hat sich auch beim im Oktober erschienenden Album „Swanlights“ wenig geändert. Antony Hegarty singt und sinkt in einer anderen Welt. „Platz 24“ klingt da irgendwie komisch.

24. Thank You For Your Love – Antony & The Johnsons

Die Local Natives sind mir im Sommer durch einige hörenswerte Remixe aufgefallen. So auch ein Selbstremix von „Who Knows Who Cares“ – ein wunderbarer extrem sonniger California-Indiepopsong, den es auf die 23. verschlagen hat.

23. Who Knows Who Cares – Local Natives

22. Hand Behind – Brasstronaut

Ratatat – das ist nicht nur der Name der Band, sondern auch die Wirkungskette ihrer Musik. Es rattert, es wird nachgeladen, es kracht. Und das alles in einem irgendwie so entzückenden wie entrücktem Instrumentalkorsett. Ratatat ist unverwechselbar. Und „Drugs“ ihr bislang vielleicht bestes Stück.

21. Drugs – Ratatat

Wer mag Ronson? Irgendwie hat man ja gedacht, es hätte sich ausgegalat mit dem von den Kritikern verhassten und vom Dancefloor geliebten Mark Ronson. In 2010 warf er ein neues Album auf den Markt und verkündete der abgeneigten Journalie, dass er froh sei, seinen Musikstil verändert zu haben. Weniger Bläser sollte es auf „Record Collection“ geben. Aha. So ganz kann man dem nicht folgen. Aber das Album hat so viele Hits wie Gastmusiker. Und es macht immer Bang, Bang, Bang.

20. Bang Bang Bang – Mark Ronsons Featuring Q-Tip

Mark Ronson & The Business INTL „Bang Bang Bang“ from Warren Fu on Vimeo.

Und schon sind wir in den Top 20. Und damit bei James Blake – in echtes Phänomen, weil sehr eigen. Songs, die scheinbar nur drei Elemente haben, sich endlos lang anmutende Stillstand-Sekunden erlauben, und dabei gleichzeitig so elegant und wohlig klingen. Irgendwer hat geschrieben, James Blake sei die Electronica-Ausgabe von D’Angelo – und hat es damit ziemlich gut getroffen.

19. Limit to Your Love – James Blake
James Blake – Limit To Your Love by TheDropFather

Völlig anders sind da die Drums. Sie lieferten den passenden Sound zu den sich nach echten Sommer anfühlenden Monaten Juni und Juli. Ein bißchen hibbelig, ein bißchen hippiemäßig. Gute Laune und ein Surfbrett.

18. Forever and Ever Amen – The Drums

Sky Ferreira – eine junge, sehr attraktive Frau, von der wir in 2011 ein Album zu erwarten haben und Aeroplane, ein multibegabtes Dance-Projekt aus Belgien, das mit „We Can’t Fly“ ein sehr gelungenes Album veröffentlichten mischten sich gemeinsam eine sehr spanungsgeladene Elektro-Emulsion zurecht:

17. Without Lies – Aeroplane Feat. Sky Ferreira

Ebenfalls elektrisch, ebenfalls mit sonderbarer Ruhe agieren Microlite. Als ob die Kings Of Convenience endlich aufgewacht sind:

16. Microlite – Trophy Wife

Ganz weit vorne in allen Strebermusikmagazinen platzieren sich dieses Jahr – wie jedes Jahr bei Neuveröffentlichung – Arcade Fire. Zurecht. „The Suburbs“ ist überdies ein zeitloser Indiepopsong mit Tiefgang.

15. The Suburbs – Arcade Fire

Eine besondere Freude ist das, wenn eine deutsche Band sich in den Top 20 platziert. „We Are Waves“ von Beat! Beat! Beat! hört man keine Sekunde an, dass es in Viersen geschrieben wurde. Da kommt noch was…

14. We Are Waves – Beat Beat Beat

Als Oh! von We Have Band im Frühjar rauskam, dachte ich schon, dass dieses Stück bei der Jahresbilanz ganz weit vorne zu stehen hat. Aufgrund der guten Konkurrenz hat es zwar nur für einen 13. Platz gereicht, deshalb gibt es noch mal wörtlich eine besondere lobende Erwähnung

13. Oh – We Have Band
We Have Band – Divisive by inertiapromo

Der Soul war der Trend im Indie. An fast vorderster Front: Mayer Hawthorne auf Platz 12.

12. Maybe So, Maybe No – Mayer Hawthorne

Was die Fleet Foxes 2008 entfachten und Mumfords And Sons in 2009 weiterleben ließen, wurde 2010 von Boy And Bear in guter Tradition fortgeführt. Chorale Gesänge, luftige Melodien und hier und da eine countryeske Gitarre sind die Grundelemente aus denen so wunderbare Songs wie „The Storm“ entstehen.

11. The Storm – Boy And Bear

Dass Former Lieblingsband I Am Kloot noch mal ein Album rausbringen, das sich von vorne bis hinten lohnt, hätte ich nicht gedacht.

10. I Still Do – I Am Kloot

The Radio Dept. aus Schweden haben den Sommer musikalisch unterlegt. Groovy yet melodic könnte man die Tracks beschreiben, die sie auf ihrem mittlerweile dritten Longplayer Clinging To A Scheme versammelt haben.

9. Heaven’s On Fire – The Radio Dept.

Ein Remix in den Top 10! Aber ein ganz besonderer. Das Original von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros ist auch schon nicht schlecht. Die feine Neuauflage vom Internet Remix Kollektiv R.A.C. kitzelt der kuriosen Country-Folk-Spanky-Nummer durch dezent gesetzte Breaks und Basses noch einmal echte Sexyness heraus.

8. Home (RAC Mix) – Edward Sharpe & The Magnetic Zeros

Mitten in den Top 10 – und bislang so gut wie kein einziger Vertreter der Jugend, der wilden, liebevoll ungestümen ewig Chucks-tragenden Postpunk-Indiebands. Tja, die Uhr dreht sich weiter. Glücklicherweise gab es zwei Vertreter dieser Zunft, die es dank der richtigen Hits problemlos in die vorderen Ränge schafften. Die Wombats – deren neues Album 2011 veröffentlicht wird – mit „Tokyo“…

7. Tokyo (Vampires & Wolves) – The Wombats
The Wombats – Tokyo (Vampires & Wolves) by Press Here

… und: noch jünger, und noch goldiger: Two Door Cinema Club.

6. Undercover Martyn – Two Door Cinema Club

Zum zweiten Mal in den Top 40: Darwin Deez. Hypnotisch, was ihm da auf seinem ersten Album passiert ist. „Constellations“ war als erstes da und wabert kontrolliert durch den Raum, ohne dabei zu doll an die Strokes oder Phoenix (aus jeweils übrigens ganz unterschiedlichen Gründen) zu klingen.

5. Constellations – Darwin Deez

Soundtechnisch gar nicht so urweit entfernt sind Jamaica aus Frankreich. „Short And Entertaining“ heißt nicht nur ihr größter 2010er Hit, er beschreibt auch gut, worum’s der Band geht. Sie machen innerhalb kurzer Zeit klar, worum es ihnen geht. Und deshalb klingt ihr gesamtes Album auch so knackig wie ein Eisbergsalat und schmeckt dabei so gut wie das Caesars Dressing.

4. Short and Entertaining – Jamaica

Trommelwirbel. Die Top 3. Schon beim Gucken der ersten Folge „How To Make It In America“ war klar, dass hier in der Opener Sequenz musikalisch was los ist, das Bleiben wird. Und so war es auch. „I Need A Dollar“ klingt so überhaupt und gar nicht nach 2010 und prgate gerade deshalb meines Erachtens nachhaltig den Mainstream des Indie. Dass Aloe Blacc live in Berlin eine Enttäuschung war, lag an der schrecklichen Location. Dieses Stück werden wir noch in 20 Jahren gerne hören.

3. I Need A Dollar – Aloe Blacc

Eine kleine Überraschung auf Platz 2. Und ein sehr persönlicher Song für mich. Denn zweifelsohne hatte das Ben Folds / Nick Horny – Album nicht die Größe, die man vielleicht hätte erwarten können – aus der ersten Erwartung jedenfalls heraus. Dass diese Kombination nicht besondere Überraschungen bereit hält, dürfte einem beim zweiten Überlegen klar werden. Denn: Ben Folds Songs klangen schon immer so, als hätte sie Nick Hornby geschrieben. Und wenn Nick Hornby singen würde, hätte er mit Sicherheit die Stimme von Ben Folds. Aber was mecker ich? Es geht um Platz 2. Und deshalb muss es um einen schon unverschämt guten Song gehen. Ich weiß nicht woran es liegt, aber Ben Folds ist für mich ein Songwriter mit einer unglaublichen Nachhaltigkeit. Schon „Cologne“ schaffte es vor zwei Jahren irgendwie auf Platz 1, obwohl ich jetzt wirklich keine Poster von ihm in meinem Jugendzimmer hängen habe. Vielleicht liegt es daran, dass „From Above“ eine melancholische Uptempo-Nummer – was es ja gar nicht so oft gibt und an sich schon schön ist. Vielleicht liegt es daran, dass „From Above“ ein Song ist, bei dem man sich auf jeden Teil einzeln freut und nie warten muss, bis etwas schönes passiert. Vielleicht liegt es an der lässigen Traurigkeit… Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Es ist jedenfalls ein sehr klassischer Popsong. Und ist auf Platz 2.

2. From Above – Ben Folds And Nick Hornby

Und nun zu Platz 1. Dem Lieblingslied des Jahres 2010. Es gehört: The National. Und das hat mehrere Gründe. „Bloodbuzz Ohio“ ist ein Tier von Song. Man hört es zu Beginn nur von weit weg. Trampelnd. Ungestüm. Unheimlich. Laut. Dann kommt Strophe 1 und der Song breitet sich aus, zeigt seine Zerbrechlichkeit, ohne dabei weniger gewaltig zu wirken. Dann Strophe 2, spannungsgeladen, Klavier, Bass, das nervöse Schlagzeug. Dann endlich die Bridge. Und die Melancholie bricht aus. Alles beginnt zu zerfließen, wir sind schon längst im Refrain, noch ein Rittandando. Der Song erhebt sich, zeigt seine ganze Größe. Dann der Break zu Beginn von Strophe 2. Die Strukturen wiederholen sich, ohne an Kraft, an Dynamik zu verlieren. Danke, The National, für wieder einmal ein großartiges Album. Und für den Song des Jahres 2010!

1. Bloodbuzz Ohio – The National

Die Spreewelle wünscht allen Lesern ein glänzendes 2011!

Und hier nochmal: Die Liste:

1 Bloodbuzz Ohio – The National
2 From Above – Ben Folds And Nick Hornby
3 I Need A Dollar – Aloe Blacc
4 Short and Entertaining – Jamaica
5 Constellations – Darwin Deez
6 Undercover Martyn – Two Door Cinema Club
7 Tokyo (Vampires & Wolves) – The Wombats
8 Home (RAC Mix) – Edward Sharpe & The Magnetic Zeros
9 Heaven’s On Fire – The Radio Dept.
10 I Still Do – I Am Kloot
11 The Storm – Boy And Bear
12 Maybe So, Maybe No – Mayer Hawthorne
13 Oh – We Have Band
14 We Are Waves – Beat Beat Beat
15 The Suburbs – Arcade Fire
16 Microlite – Trophy Wife
17 Without Lies – Aeroplane Feat. Sky Ferreira
18 Forever and Ever Amen – The Drums
19 Limit to Your Love – James Blake
20 Bang Bang Bang – Mark Ronson And The Business Intl
21 Drugs – Ratatat
22 Hand Behind – Brasstronaut
23 Who Knows Who Cares – Local Natives
24 Thank You For Your Love – Antony & The Johnsons
25 My Kz Yr Bf – Everything Everything
26 Spanish Sahara (Mount Kimbie Remix) – Foals
27 Conversation 16 – The National
28 Green Grass – I Am Arrows
29 Your Body is a Machine – The Good Natured
30 Madder Red – Yeasayer
31 A Month Of Mornings – Cherry Ghost
32 Me Me Me (Trentemøller Remix) – Lars And The Hands Of Light
33 Fuck You – Cee-Lo Green
34 This Must Be The Place – Miles Fisher
35 Welcome Home – Radical Face
36 Fly A Plane Into Me – Bonaparte
37 Dead Hearts – Stars
38 Up In The Clouds – Darwin Deez
39 The Ghost – James Yuill
40 Seven Nation Army – Ben l’Oncle Soul

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