Endlich Herbst. Das gilt aber nur und ausschließlich vor dem Hintergrund der neuen Musik, die diese Jahreszeit immer mit sich bringt. Nach dem Forschungssemester Frankreich geht’s also wieder ans Eingemachte.

Die wilde Fahrt geht los mit den Kooks. Jaja, schon wieder. Vor ein paar Monaten durften die sympathischen Jungs aus Brighton schon einmal eine Spreewelle eröffnen. Hätt‘ man nicht geglaubt, weil sie ja eigentlich zur 2005er Klasse gehören und sich mit Album 2 und 3 nach dem Hype eher in die Belanglosigkeit gedudelt haben. Mit „Listen“ erschien im September aber ein radikaler Neuanfang. Ihr immer noch größter Hit „Naïve“ ließ schon 2006 vermuten, dass die Band mehr drauf hat als freundliche Indiesongs. Der Song war von seltsamer Groovigkeit, die gar nicht so recht zur englischen Herkunft passen wollte. Auf „Listen“ nun geht es nur noch darum. Um den Groove. Und den Funk. Ich halte die Platte für die mit Abstand beste Veröffentlichung der Kooks. „Sweet Emotion“ fasst den neuen Ansatz der Band sehr gut zusammen. Und daher gibt’s auch den beliebten Startplatz eins.

 

The Kooks – Sweet Emotion

Gar nicht so leicht einzuordnen sind auch Whilk & Misky, ein Duo aus London. Im letzten Jahr gab’s schon einige Aufmerksamkeit bei Hypemachine für Re-Arrangements und Remixes, jetzt sind sie mit einer eigenen Single und einer bald erscheinenden EP wieder ganz weit oben auf den Next Big Thing-Listen. Der Song „Clap Your Hands“ hat mir die Sprache verschlagen. Weil man sich einfach nicht entscheiden kann, ob das jetzt unheimlich supergeil ist – oder irgendwie albern. Nach ein paar Durchgängen ist man deutlich eher bei erstgenannten. Obwohl ein Engländer zu südamerikanischen Handclaps die Hookline mit Handtrompete intoniert. Sounds weird? Ist es. Und ein Hithit.

Whilk & Misky – Clap Your Hands

Noch mal London, noch mal zwei Männer. HONNE haben vor zwei Wochen ihre erste EP veröffentlicht. Die letzten Wochen lief „Warm On A Cold Night“ bei mir in Dauerschleife, obwohl die Nächte so kalt noch nicht sind. Musikalisch bewegt man sich zwischen NeoSoul, AmbientIndie und James Blake – mit dem Unterschied, dass der Song bei HONNE mindestens genauso wichtig ist wie der Sound. Vielleicht ein bisschen langsam für Seite 1, aber mächtig.

HONNE – Warm On A Cold Night


Gerade noch so reingerutscht ist AlunaGeorge. Da klopft das zweite Album an die Tür und vorab gibt es „Supernatural“, ein filigran geschliffenes, aalglattes Stück Musik, das einfach sitzt und Clublust macht ohne dabei brachial zu sein.

AlunaGeorge – Supernatural


Ein ähnliches Schema bei George Mapel. „Talk Talk“ droht seine gesamten 3:30 mit dem Ausbruch, dem unvermeidlichen Hammer. Aber nix da. Bei dem Track geht es ums Abbiegen und Zurückziehen. Worte statt Taten. Auf das körperbetonte Rumgezappel müssen wir auf dieser Welle also noch ein bißchen warten.

George Mapel – Talk Talk


Indieelektronisch geht es weiter mit Roosevelt – Ambientdisco ohne Gähnen – und schließlich Caribou. Dass der Herr aus Kanada dieser Tage mit „Our Love“ ein neues Album herausbringt, ist kein Geheimnis. Und dass er genau da weiter macht, wo er aufgehört hat, auch nicht. Bei Caribou geht es um die Coolness des Dancefloors. „Can’t Do Without You“, die erste Single aus „Our Love“ schafft es auch tatsächlich ein Hit zu sein, ohne die klassischen Regeln des Dancefloor-Hits zu berücksichtigen.

Caribou – Can’t Do Without You

Wir überspringen mal den Souldisco-Block (aber einmal Kimbra! sagen muss ich schon) und kommen direkt zum Ende der Seite 1. Wichtige neue Namen des handgemachten Indiepops sind nämlich Jake Isaac und Eugene McGuinness. Ersterer fühlt sich zunächst wie die Folkvariante von Aloe Black an. Aber da steckt ein bisschen mehr dahinter. Eine interessante Kombination ist das, diese erdige tiefschwarze Stimme und die düdelnde Leichtigkeit der Instrumentation.

Jake Isaac – Long Road


Und Eugene McGuinness? Macht ziemlich intelligente Popmusik. Bei „The Crueler Kind“ aus seinem gerade erschienenen Album „Godiva“ sprießt es nur so vor unvorhergesehenen Harmonie- und Stimmungswechseln.

Eugene McGuiness – The Crueler Kind

Der endgültigen Abschied vom Sommer kann nicht besser besungen werden als mit einem Song, der den Titel „Goodbye Summer“ trägt. Das ist rhetorische Tatsache. Ein großes Glück, dass der Track auch noch richtig gut klingt und die Traurigkeit über den change of season wunderbar zusammenfasst.

Misun – Goodbye Summer

Alvvays verdrücken auch eine Träne im Windschatten dieser Eröffnung. „Party Police“ ist ein unglaublich melodiös-emotionaler Fluss. Reine Erhabenheit, wie sich Strophe, Bridge und Refrain die Hand geben. Die Band kommt aus Kanada, wir notieren sie mal und nehmen uns vor, in das im Juli erschienene selbstbetitelte Debut reinzuhören.

Alvvays – Party Police


Einer der ganz großen Songs auf dieser zweiten Seite kommt von Dotan und heißt „Hungry“. Im Netz ist leider nur der etwas langweilige, aber zum Sport machen geeignete Remix von Niklas Ibach bekannt. Der Originalkünstler kommt aus Amsterdam und erinnert stark an die besten Seiten von Jose Gonzales. Ein Superohrwurm und ein Muss für die Indie-Kuschelwelle.

Dotan – Hungry


Lapsley, oh Lapsley. Schon dreimal hauchte die gerade mal 18-Jährige ihre Worte in die kühlen Soundwolken der tollen Produktionen wie z.B. „Station“. Ich drücke ganz doll die Daumen, dass sie bald eine ganze Platte rausbringt. Im September gab’s endlich Nachschub. „Falling Short“ ist wieder einmal ein Volltreffer.

Lapsley – Falling Short


Natürlich ist das nicht alles, die zweite Seite ist dieses Mal besonders schön geworden. Erwähnt werden muss aber noch schnell „You Should Know Where I’m Coming From“ von Banks. Es handelt sich dabei um den einzigen nicht-elektrischen Track ihres Debuts. Und es ist eine Mörderballade. Nicht nur das Klavier und die Gesangsskills überzeugen, es ist der tiefschwarze Text, der diesen Song zu etwas Besonderen machen.

Banks – You Should Know Where I’m Coming From

 

 
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  • The Kooks Sweet Emotion
  • Whilk & Misky Clap Your Hands
  • Honne Warm On A Cold Night (Original Mix)
  • AlunaGeorge Supernatural
  • George Maple Talk Talk (Single)
  • Roosevelt Elliot
  • Caribou Can’t Do Without You
  • BANKS Beggin For Thread
  • Kate Miller Collar Up
  • Death In The Afternoon Let’s Talk
  • Tennis I’m Callin‘
  • Kimbra Miracle
  • Midnight Pool Party I Want I Need (LeMarquis Remix)
  • C2C Down the Road
  • The Record Company Rita Mae Young
  • Jake Isaac Long Road (ReMaster)
  • Bishop Allen Good Talk
  • Eugene McGuinness The Crueler Kind (official video)
  • Echo Me Where’s Your Heart Hidden
  • TV On The Radio Happy Idiot
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Seite 2

 

[unordered_list style=“number“ number_type=“circle_number“ animate=“no“]
  • Misun Goodbye Summer
  • Alvvays Party Police
  • Erlend Øye Fence Me In
  • Zola Blood Meridian
  • Dotan Hungry
  • Angus And Julia Stone Grizzly Bear
  • Seoul Stay With Us
  • Wonder Wonder Body Gold
  • La?psley Falling Short
  • HONNE Baby Please
  • You+Me You and Me
  • JP Cooper Satellite
  • Josef Salvat Open Season
  • Nouela Black Hole Sun (Soundgarden Cover)
  • Karen O & Ezra Koenig The Moon Song (Studio Version Duet)
  • Slow Club Dependable People And Things That I’m Sure Of
  • Banks You Should Know Where I’m Coming From
  • Milosh Slow Down
  • Parra for Cuva ft. Anna Naklab Wicked Games (Tom Misch Remix)
  • Aphex Twin aisatsana [102]
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