Und wieder eine Welle mit Lehrauftrag. Nachdem es im letzten Semester um West Coast ging, beschäftigt sich die 124. Spreewelle naheliegenderweise mit Surf Musik. Nicht ausschließlich, aber wie gewohnt in der Rahmenhandlung.

 

Spreepedia: Über die Surfmusik

Auch Surfmusik hat ihren Ursprung in Kalifornien, sie wurde allerdings 10-20 Jahre früher als der West Coast Sound populär. Staccato-Gitarre, mehrstimmige Gesangsharmonien und dem klassischen Rock’n’Roll und Blues der damaligen Zeit sehr verwandt was die Dramaturgie der Tracks angeht. Bei itunes kann man einen stolze 170 Titel umfassenden Basiskatalog namens „The Birth Of Surf“ für haarsträubend mickrige 4,99 Euro erwerben. Wem das zu billig vorkommt, der ist mit der Beach Boys Supersonderspezial-Sammlung „Made In California“ besser bedient. Die 175 Songs, die neben seltenen Demos und Studiogesprächen auch rare Monomixe der größten Hits der frühen Beach Boys Jahre enthält, kosten leistungsgerechte 69,99 Euro.

 

Und genau aus diesem Kompendium stammt auch der Aufmacher der 124. Spreewelle. Nein, nicht „Surfin U.S.A.“, auch nicht „Surf Girl“ oder „Surfin’ Safari“ – viel elementarer: Einfach nur „Surfin’“. Die erste Eigenkomposition von Brian Wilson war die Blaupause für Dutzende weitere Zweieinhalbminüter, die dem Surfhype der 60er Jahre ihren Soundtrack gaben.

 

Beach Boys – Surfin’

 

Wer sich „Tages Welle“ nennt, muss auf die Surfwelle

Day Wave heißt mit bürgerlichem Namen Jackson Phillips und war uns eher als Frontman der Dreampop/Electropop Formation Carousel bekannt. Seit einigen Monaten veröffentlicht er nun unter seinem wunderhübsch zum Thema passenden neuen Künstlernamen etwas, das man getrost als Indie-Surf-Pop bezeichnen kann.

 

 

Die Drums aus New York sind vielleicht das bekannteste Indieprojekt, dem man eine Nähe zum Surfsound nachsagt und die sich in mehreren Interviews mit der Frage beschäftigen müssen, ob sie nur eine Beach Pop Band sind. „There Is Nothing Left“ überzeugt durch eine Mörderhookline und diesem für das Genre typischen, sehnsüchtigen Grundton.

 

 

Im Windschatten des Surf: Zurück zum Indiepop

Dank den Drums, bei denen man durch ihre New Yorker Herkunft nicht wirklich sofort ans Surfbrettwachsen denkt, ist dann Tür und Tor geöffnet für Midtempo Indiepop, für den es in den letzten Ausgaben der Spreewelle relativ wenig Platz gab. Wir nehmen uns aber in diesem September mal Zeit, einige Bands und ihre Tracks zu ehren, die es aufgrund der genretechnischen Gesamtsituation nicht auf die letzten Wellen schafften, obwohl sie da hingehören.

 

 

Colony House – Silhouettes

 

Effi – Distance

 

Ska und Surf… das ist gar nicht soo weit voneinander entfernt – wie der galante Übergang von Berd Weedons Surf-Klassiker „Ginchy“ zu Tim Armstrongs „Into Action“ beweist.

 


Tim Armstrong – Into Action

 

Old School Hip Hop Soul – summerfied

Nach einem so anstrengenden Tag im Meer, ein paar Nüsschen und Biere in der Abendsonne sollte für einen perfekten Sommertag der – zumindest mentale – Ausflug zur Strandpromenade nicht fehlen. Denn dort spielen sie auch ganz verrücktes Zeug. So zum Beispiel eine mit ordentlich „Sax“ aufgemotzte Version von Missy Elliots „Work It“

 

 

… oder eine ebenfalls upgegradete Fassung von Lauryn Hills „Doo Wop“. By the Way: „The Miseducation of Lauryn Hill“ wird dieser Tage übrigens 17 Jahre alt.

 

 

Den perfekten Soundtrack für einen späten, aber verdienten Sommerurlaub, bietet übrigens That’s Nice ein DJ aus dem Umfeld von Miami Horror, der mit gleich zwei Nummern auf der Seite vertreten ist.

 

That’s Nice (Feat. Josh Moriarty) – Holiday
All The Colors – Shame (That’s Nice Remix)

 

Hinterm Horizont geht’s weiter

Seite 2 wird wieder von den Beach Boys eröffnet. Allerdings mit einem Song, der nicht vom ersten, sondern vom 25 (!) Studioalbum der Band stammt – und gleichzeitig belegt, welch umfassende musikalische Bandbreite sich aus der ehemaligen 2-Akkord-Surfband entwickelt hat. Das wundersam ruhige, ja sakrale „Thinking About The Days“ schwebt über den Wellen des Pazifiks, statt auf ihnen zu tanzen und wiegt sich dabei langsam Richtung Horizont. Dabei gibt es noch viel zu tun. 19 weitere Tracks warten im zweiten Durchgang.

 

 

An den sphärischen Beginn schließt sich direkt Hayden James an. Vor zwei Jahren debutierte der Australierer auf der Spreewelle, sein „Permission To Love“ eroberte seiner Zeit sofort die Spitze der Hype Machine Charts und gefiel durch eine innovative Mischung aus Minimal R’n’B und dezente Electro Frickeleien. Embrace erschien als letzter Track auf der gleichnamigen EP. Auch hier: Viele Soundschnipseleien, immer gerade so an der Kante zum Too Much. Aber James findet die Balance.

 

James Hayden – Embrace

 

Die letzten Sommertränen

Luftiger und durchgängiger geht es weiter mit No Vacation. Der Bandname ist in dieser traurigen End-Of-Summer-Ballade Programm. Das Duo aus San Francisco trifft den saisonalen Zeitgeist sehr gut.

 

 

The Weeknd hatte in diesem Sommer mit „Can’t Feel My Face“ seinen bislang größten Hit. Abel Tesfaye brachte auch die Spreewelle Hörer mit seinem Croonertum in Wallung. „Tell Your Friends“, die neuen Downtempo-Single wurde von Kanye West produziert und belegt The Weeknds Anspruch auf längerfristige Präsenz in der Popkultur.

 

Weeknd – Tell Your Friends

 

Und dann hat auch Max Frost mal wieder einen Auftritt. Der aus Austin stammende Musiker hat zwei Jahre verstreichen lassen seit „White Lies“. „Withdrawal“ ist der Vorglüher für die Ende September erscheinende EP „Intoxication“ und liefert in gewohnter Weise Catchiness at ist best.

 

 

„Deux baguette s’il vous plait“

Die Seite 2 hat in diesem Monat länger gedauert als sonst. So recht war die musikalische Grundrichtigung nicht klar. Plötzlich versammelten sich zu viele Slo Mo Tracks auf der Shortlist. Das ist hier und da sehr interessant, ergab aber nichts Großes Ganzes. Also musste der Rotstift ran. Sevdaliza mit dem elegischen „Marilyn Monroe“ musste zum Beispiel weichen, Honne auch. Komischerweise blieben The Roots übrig. Dabei ist „How I Got Over“ schon 7 Jahre alt. Bietet aber eine schöne Überleitung zu Ben L’Oncle Soul und zum frankophilen Mittelteil der Seite 2.

 

 

Natürlich ist es der Urlaubskontext, der Inspiration für den kleinen Ausflug in das meistbesuchteste Land der Welt. Und so erklingt auch in diesem Jahr – wenn auch nur für 6 Tracks – Frankreichs Popmusik auf der Spreewelle. Chromeo – neben Daft Punk und Justice unsere Lieblingsfranzosen (auch wenn sie aus Montral stammen), steuern dazu einen für sie sehr untypischen Song bei. Bei „J’ai Claque La Porte“ klingen die volksmusikalischen Wurzeln deutlich durch. Und – lustig – mein Kleinhirn übersetzt beim Hören des Refrains immer „Ich kack vor die Tür“.

 

 

Richtig französisch ist dann das schöne „Grands Soir“ von Alex Beaupain. Eine sanfte, langsam anrollende und dezent aufbrausende Nummer, die gut gefüllt ist mit der typischen Melancholie des French Pop.

 

 

Mit Aline („Avenue des armees“) und Pendentif („God Save La France“) als aktuelle Vertreter des französischen Indiepop schließt sich dann der Zwischenakt und der Weg ist frei für das unauffällige aber lohnenswerte Finale.

 

Aline – Avenue des armees

 

Pendentif – God Save La France

 

12 Monate, 12 Tracks

Für Oh Wonder schließt sich dieser Tage ein Kreis. Seit September 2014 veröffentlichten sie jeden Monat einen Track. Nun steht ihr Debütalbum kurz vor der Veröffentlichung. Und wahrscheinlich sollte man es sich zulegen. Das Duo feuerte regelmäßig sehr anmutige Indipop-Balladen ab. „Landslide“ ist nur ein weiteres Beispiel dafür.

 

Oh Wonder – Landslide

 

Die große Cover-Trilogie liegt ja nun schon zwei Alben zurück. Wäre darauf noch Platz dürften die folgenden beiden Neuinterpretation darauf selbstverständlich nicht fehlen. Da wäre zum einen das countryeske „This Must Be the Place (Naive Melody)“ von Iron and Wine & Ben Bridwell. Und dann: Tame Impalas Über-Single „Let It Happen“ in der Version von Husky.

 

Iron and Wine & Ben Bridwell – This Must Be the Place (Naive Melody)

 

Husky – Let It Happen (Tame Impala Cover)

 

Goodbye Strand, Goodbye Sommer

Kein Witz. Eben auf dem Weg zur Boulangerie verhöhnte mich der ansonsten verlässlich stilsichere Radiosender Nostalgie mit Whams „Last Christmas“. Am 5. September! Frechheit. Dagegen hilft das Outro. Emiliana Torrini (ja, die hat mehr gemacht als das unglaublich nervige „Jungle Drum“) zum Beispiel mit „Summer Breeze“. Oder – als Replik auf Beach Boys Opener – Day Wave, der aktuellste Singer-Songer-Surfer den die Indiewelt zur Zeit zu bieten hat.

 

 

 

— Coverlocation: Mimizan-Plage —

 

Seite 1

 

[unordered_list style=“number“ number_type=“circle_number“ animate=“yes“]
  • The Beach Boys Surfin‘ (Home Recordings Rehearsal Highlights)
  • Day Wave Drag
  • The Drums There Is Nothing Left
  • The Royal Concept Radio
  • Buchanan Run Faster
  • Colony House Silhouettes
  • Effi Distance
  • JD McPherson It’s All Over But The Shouting
  • Bert Weedon Ginchy
  • Tim Armstrong Into Action
  • Missy Elliott Work It (Barks Remix)
  • That’s Nice (Feat. Josh Moriarty) Holiday
  • All the Colours Shame (That’s Nice Remix)
  • Lauryn Hill Doo Wop (Poldoore Remix)
  • Dr. Hook Sexy Eyes
  • Kartell Cost Of Love
  • Diane Coffee Everyday
  • The Five Stairsteps Ooh Child
  • Granville Les Corps Perdus
  • Paul Revere & the Raiders Ss 396
[/unordered_list]

Seite 2

 

[unordered_list style=“number“ number_type=“circle_number“ animate=“yes“]
  • The Beach Boys Think About The Days
  • Hayden James Embrace
  • No Vacation August
  • The Weeknd Tell Your Friends
  • Max Frost Withdrawal
  • The Roots How I Got Over (Feat. Dice Raw)
  • Ben L’oncle Soul Attends-Moi
  • Chromeo J’ai Claque La Porte
  • Alex Beaupain Grands Soirs
  • Aline Avenue des armees
  • Pendentif God Save La France
  • Lou Doillon Devil Or Angel
  • Oh Wonder Landslide
  • GOVS Baby We’re Outside Of Time
  • City Calm Down Rabbit Run
  • Iron and Wine & Ben Bridwell This Must Be the Place (Naive Melody)
  • Husky Let It Happen (Tame Impala)
  • Kalle Mattson Left Behind
  • Emiliana Torrini Summerbreeze
  • Day Wave We Try But We Don’t Fit In
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