Was ist nur mit diesem 2016 los? Wie Fliegen sterben sie, die großen Musikstars, die uns wirklich was bedeutet haben. Das schmerzt, kann aber auch nicht dazu führen, dass die Spreewelle jeden Monat schwarz trägt. Flucht nach vorn also. Prince kriegt den Löwen als Cover. Und ein Cover als Epilog. Das muss reichen. Und umrahmt eine ziemlich lockere 133.

 
Dass ich das mit der guten Laune ernst meine, zeigt gleich Track Nummer 1. Wichita heißt die Band um den Schauspieler Maxwell George Schneider und einem gewissen Tim Armstrong, dessen Arbeit für Pink und Gwen Stefani einst mit einem Grammy ausgezeichnet wurde. Die Nummer „Mrs. Magoo“ ist positivistischer Soulrock mit einer leichten Scheißegal-Attitüde – und nichts weniger als ein Hit. Seit mittlerweile einem Jahr ist die Single draußen, Lieblingssender Flux nahm die sympathische Horde in die Heavy Rotation und bei uns gibts Startplatz Nummer 1.
 

 
Der Spätfrühling wurde auch schon im letzten Jahr begleitet mit souligem Bluesrock. Liegt wohl an der Jahreszeit, dass die Seratones die brüchige Brücke zu Prince bilden dürfen. Die Band um Frontfrau AJ Haynes klingt herrlich ungehobelt und ein bißchen wie die unartige, rotzige Schwester von Alabama Shakes. Sehr gutes Beispiel ist das aus tiefstem Herzen herausgekrächzte „Chandelier“.
 

 
Die fette Sneardrum ist das Bindeglied zu „Musicology“. Alles andere als einfach, eine Princenummer zu finden, die sich in die Compilation einfügt. Im Grunde genommen kann der kleine Mann mit dem großen Können nur für sich alleine stehen. Mit der Leadsingle des 2004 erschienenen gleichnamigen Albums hab ich mich für die Funk-Facette des Popgenies entschieden.  Wem das zu unmelidiös ist, für den gibts ganz am Ende von Seite zwei etwas wunderbar Prätentiöses. Nämlich eine Jazz-Cover-Version von „Diamonds And Pearls“.
 

 
Aber zurück zur ersten Hälfte. Ich hab mich ja ein bißchen geärgert, dass ich viel zu spät war mit dem Kendrik Lamar gut finden. Vielleicht bin ich jetzt bei Anderson Paak etwas pünktlicher. Erstmals auf der letzten Welle zu hören, gibt es mit „Am I Wrong“ auf der 133 schon den zweiten Song des Multitalents, das früher unter dem schönen Namen „Breezy Lovejoy“ auftrat. Auch dieser Track überzeugt mit warmen Harmonien und einem arschtrockenem Schlagzeug. Kein Wunder. Mister Paak ist schließlich nicht nur Sänger und Produzent, sondern eben auch Schlagzeuger. Und definitiv einer der besseren, siehe Videobeweis (David Bowie Abschnitt).
 

 
Der ziemlich große Anteil an reinrassigem Indiepop wird eingeleitet vom Alt-Pop-5er Shields. „Checkered Love“ beginnt wie ein klassischer, niedlicher Indiesong, entfaltet über die 4 Minuten Spielzeit dann aber echte Strahlkraft.
 

 
Für Spannungsabbau sorgen NEW NAVY. Der Song „Runaway“ passt mit seiner lässigen Attitüde und seinen traumwandlerischen Instrumentation ganz hervorragend zu einem späten Maispaziergang durch die Stadt.
 

 
Ganz ähnlich der kalifornische Indiepop von Rogue Wave. Die seit über 13 Jahren bestehende Band veröffentlicht dieser Tage mit „Delusions Of Grand Fur“ ihr sechstes Studioalbum und es gibt: Keine Überraschungen. Braucht es auch nicht. Songs wie „In The Morning“ versprühen gute Laune. Und das reicht ja manchmal schon. Auf ganz ähnlicher Frequenz funkt das neue Projekt Monopol. Irgendwo zwischen Phoenix und 1975 lässt sich „Somebody that I’ll Never Be“ verorten.
 

 
Auch die aus Nashville stammenden Band Bantug trifft diesen schönen, traurig-heiteren Ton mit dem Song „Wine Beeline“ und schließt damit das Indiepop-Segment erfolgreich ab.
 

 
Die letzte Sequenz von Seite 1 lässt sich genretechnisch als 80s-Sundown-Funk umschreiben. Bryan Sammis war Gründungsmitgliedvon Neighbourhood und ist unter dem Namen Olivver bzw. Olivver The Kid seit 2014 alleine unterwegs.
 

 
Die 80er hört man auch bei „Slow Down“ von VOKES deutlich raus. „Pleasant Listening“ könnte man das nennen, was der Künstler, der mit bürgerlichem Namen Mike Harris heißt, zu Gehör bringt. Sehr gefühlvolle Harmonien, ein zwischen Soul und Pop mäandernde Sound und diese glockenklare Stimme. Herz geht auf.
 

 
Und Seite 2 so? Wird eingeläutet von einem klassischen Singersongwriter-Song. Jamie Lawson aus England macht das, womit Ed Sheeran, James Bay, Vance Joy und wie die neuen, jungen Dinger alle heißen, 2016 Erfolg haben. Sehr soliden und geradlinigen Pop mit brillantem Arrangement.
 

 
Auch in Reykjavik weiß man, wie klassischer Pop geht. Snorri Helgason kommt daher und das hat überhaupt nichts mit dem Grand Prix zu tun. Der Song heißt „Summer Is Almost Gone“ und passt nur vom Titel her nicht auf die Maiwelle.
 

 
Außerdem gibt es ein neues Album von Radiohead, das allem Anschein nach mal wieder ein großer Wurf ist. Der wunscherschönste Beweis ist das gleißende „Daydreaming“. Dazu gibt es sogar ein Video in dem Tom Yorkes wellendes Haar zu sehen ist.
 

 
Weniger einig sind sich die Kritiker bezüglich der neuen James Blake-Platte. Was es zu überpfüen gilt. Wenigstens die Vorabsingle „Love Me In Whatever Way“ scheint das teilweise harsche Urteil einiger Edelfedern nicht zu bestätigen.
 

 

Cover: Löwe
Cover-Location: Naturkundemuseum Berlin

[unordered_list style=“number“ number_type=“circle_number“ animate=“no“] [/unordered_list]

Seite 2

 

[unordered_list style=“number“ number_type=“circle_number“ animate=“no“]
  • Jamie Lawson Wasn’t Expecting That
  • Lola Marsh Sirens
  • Snorri Helgason Summer Is Almost Gone
  • The Reindeer Section I’ll Be Here When You Wake
  • Banff The Great Unknown (Single)
  • Luke Sital-Singh Bottled Up Tight
  • London Grammar Nightcall (Kavinsky)
  • Placebo Teenage Angst (Acoustic)
  • Rumer Slow
  • Tom Odell Long Way Down
  • RHODES & Birdy Let It All Go (Mahogany Session)
  • JONES How Deep Is Your Love (Acoustic)
  • Ry X Deliverance
  • Phoria Atomic
  • Two Another Shouldn’t Have Done That
  • James Blake Love Me In Whatever Way
  • Radiohead Daydreaming
  • Shook Tidal
  • Jordan Rakei Talk To Me
  • Marcin Wasilewski Diamond and Pearls
[/unordered_list]

Newsletter abonnieren