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Spreewelle 156

Spreewelle – Nr. 156: SUMMERTIME MADNESS

  |   2018, Kompilationen

Weil der Sommer alles andere als gewöhnlich ist, leistet sich die Spreewelle – zumindest zu Beginn der ersten Seite – einen triebhaften Ausflug in kommerzielle Pop-Gefilde. MØ, Diplo, Jason Derulo, Gwen Stefani, Justin, Pharell – ja, das soll so. Denn der Sommer ist heiß, das Eis ist blau und die Spreewelle übrigens ab sofort https-sicher. Cool, ne?

 

Wenn schon, denn schon

Im Vorwort zur letzten Ausgabe der Spreewelle hatte es sich angedeutet: Die 156 ließ sich wie geschnitten Brot kompilieren. Die hohen Temperaturen sind schuld an schrägen Metaphern und der plötzlichen, ungebremsten Lust auf absolut berechnende Pophits. Das dreckige Dutzend startet mit MØ und endet mit Bosse. Aber der Reihe nach.
 
Die Nummer 1 ist beachtenswert neu. MØ und Diplo haben sich erneut zusammengetan und als Vorabsingle zum bald erscheinenden „Forever Neverland“ einen sonnenbestäubten Banger fabriziert, der in seinem Zug zum Tor verdächtig nach Lykke Lis „Rivers“ erinnert. Anders als ihre schwedische Kollegin weiß MØ sehr genau, mit wem sie sich da ins Bett legt und einen Jahrgangs-Sommerhit veröffentlicht, schließlich brachte die Kollaboration mit Diplo ihre Karriere erst richtig ins Rollen. Ein sattes Klavierriff und wirklich nur eine Prise EDM-Ingredienzen.



 
Ein paar Tage mehr hat Gwen Stefanis „Make Me Like You“ auf dem Buckel, genau zwei Jahre um genau zu sein. Das ansonsten etwas trostlose Album „This Is What The Truth Feels Like“ hatte mit dieser extrem einfachen Nummer einen veritablen Trumpf im Ärmel.
 

 
Die gute Gwen darf ja eigentlich eh alles – und so kommt sie halt zu ihrer Prominenten Startplatzierung im Sommerhit-Rausverkauf der Spreewelle. Weil wir bei Track 3 schon sämtliche Kredibilität, die sich die Spreewelle in den vergangenen 13 Jahren erspielt hat, verloren haben, kommt dann auch Jason Derulo zum Zug. Mir persönlich nur bekannt durch Promimeldungen im BVG-Fahrgastfernsehen, kann ich nicht verhelen, dass der Kalifonia zumindest in „Want To Want Me“ alles Lionel Richtige gemacht hat.
 

 
Es ist als hätte ihr jemand den Call-For-Pop ausgedruckt und ans Herz gelegt. Robyn ist nach 8 Jahren mit neuem Material zurück. In „Miss U“ bekommen wir das zu hören, was wir von der Schwedin gewöhnt sind: Melancholischen Discopop.
 

 
Den Sommer feiern eh auch grad Justin und Pharell, also haben wir auch sie eingeladen, bei der 156 für Stimmung zu sorgen. Karibische Sounds und eine verglühte repititive Hookline kommt von Herrn Timberlake,…
 

 
und ein gewohnt schlüpfriger, aber erstaunlich tiefergelegter Rumba-Raggae-Reigen bringt der Kollege Williams zu Gehör.
 

 
Nach einem kleinen Bad im Lateinamerikanischen kühlt sich die Spreewelle dann endlich ein wenig ab und konzentriert sich auf gut gelaunten Indierock, der zweite Schwerpunkt von Seite 1. Eingeleitet von Bosse, dessen melodisches und lyrisches Tun ja leider immer etwas an der Grenze ist. Doch mit „Alles Ist Jetzt“ hat sich der Aki einen extrem sympathischen, ungewohnten Sound ausgesucht.
 

 
Da sind wir schon bei der Zweitlieblingsband aus Deutschland. Leider warten wir noch ungeduldig auf neues Tonmaterial von Von Wegen Lisbeth, schon 2mal waren sie auf der Spreewelle vertreten, bislang fehlte aber ihr kommerziell erfolgreichster Track. Das musste korrigiert werden.
 

 
Wiederkehrende Besucher kann man mit diesem kleinen Spannungsbogen nicht beeindrucken. Völlig klar, wer die beste deutsche Indieband ist. Natürlich: Florian Sievers bzw. Das Paradies. Gerade gestern erschien die fünfte Kostprobe seines in zwei Wochen erscheinenden Longplayers.
 

 
Die gesamte zweite Seite, auf der dieser Song auch zu finden ist, könnte einen Diversity-Award gewinnen. Eine sehr bunte, aber meist ruhige Reise für die Nächte mit über 20 Grad. Besondere Empfehlungen: Das Frauenduo IDER mit dem intimen „Body Love“
 

 
Und das Fundstück des Monats: Auf der Suche nach neuem Stoff von James Blake (letzte Welle gab es bereits die erste Vorabsingle zum neuen Album), stieß ich auf das nur mit Klavier begleitete „Vincent“. Ein weiterer Beweis dafür, dass der Brite auch komplett auf seine (meist sehr gelungenen) Sound-Verzerrungen verzichten könnte.
 

 
Coverfoto: Spreewelle
 
 
 

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