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Spreewelle 158

Spreewelle – Nr. 159: WE’RE NOT DONE

  |   2019, Kompilationen

Dieses Jahr pausierte die Spreewelle im Dezember und ließ die Christmas-Compilation-Chance im Schnee liegen. Gab ja in den letzten Jahren auch genug davon. Aber eine ausgedehnte Auszeit wie im letzten Jahr gibt’s Anfang 2019 nicht. Wie zum Trotz heißt die 159. Ausgabe dann auch: „We’re not done“ und vereint passend zum Dry January eine etwas abgedunkelte Zusammenstellung zeitgenössischen Indiepops.

 

Der Abspann als Vorspann

Ambient Rock müsste man wohl das Genre beschreiben, der die schottische Band Mogwai zuzuordnen ist. Eigentlich kein klassisches Spreewelle-Material, weil die Musik eher vom Sound als vom Hit lebt. Mit dem namensgebenen „We’re Not Done“ ist dem Quartett allerdings ein eben solcher gelungen. Verschlungen in massenweise Gitarren- und Synthieschlaufen windet sich eine ganz große Melodie in den Refrain. Das klingt nach Filmmusik? Ist es auch. „We’re Not Done“ läuft zum Abspann des 2018er Sci-Fi-Werks „Kin“. Mogwai zeichnet für den gesamten Score verantwortlich.
 

 

You have to „Believe It“!

Die erste Vorabsingle des neuen Albums von den White Lies sorgte auf der letzten Spreewelle zurecht für Begeisterungsstürme und entfachte die Vorfreude auf den Release von „Five“, auf das wir uns aber noch bis zum 1. Februar gedulden müssen. Das wird umso schwerer, weil die Band aus London mittlerweile einen zweiten Appetizer an die Streaming-Dienste geschickt hat. „Believe It“ knüpft nahtlos an das fulminante „Time To Give“ an, ersetzt allerdings Pathos durch noch mehr Hitsinn. Gefühlt 80-mal wird der Songtitel wiederholt innerhalb der knackigen 03:30. Und geht dabei Null auf die Nerven.
 

 
Schon mal was von Teddy Geiger gehört? Dann mal los. Zu Beginn ihrer Karriere als Solokünstler unterwegs, etablierte sie sich als gefragter Songwriter, u.a. für relativ belanglose Pop-Sternchen wie Sean Mendes und One Direction. Letztes Jahr hatte sie ihr Coming Out als Transgender und veröffentlicht nun das erste Album unter neuen Vorzeichen, das den Namen „LillyAnna“ trägt. Daraus hören wir den irgendwie sonderbaren, aber auch sehr tanzfußanimierenden Song „Body & Soul“.
 

 
Der etwas tonangebene 80s-Charme bleibt auch in der Folge erhalten. Aaron Taos kommt aus Brooklyn und sinniert in dem clever getexteten „Control“ über die Monotonie des Alltags. Gibt’s einen schlaueren Beitrag zu der Trübseligkeit dieses immer wieder bleiernden Januars? Nein. Also, bitte:
 

 
Ohrwurmverdächtig“ ist fast so ein schlimmes Wort wie „kultig“. Tatsächlich wurden sie benutzt um den Song „Bad Dreams“ zu beschreiben. Der erschien im letzten Sommer und ist eine Kollaboration von Pete Yorn und Scarlett Johansson (ja, singen kann sie auch). Damit wird der auf der 159 sehr kurze reinrassige Pop-Abschnitt eingeleitet. Ich werd ja das Gefühl nicht los, dass es sich bei dem begleitenden Schlagzeug um ein Original Sample von Jennifer Paige „Crush“ aus dem Jahr 1998 handelt…
 

 

Not aMused

So sonderbar die genannte Konstellation ist, so unwirklich klang Muses Vorabsingle zum bereits erschienen Album „Simulation Theory“. Auf „Something Human“ schont Matt Bellamy sein zuweilen nervenherausforderndes Organ und mimt – natürlich wieder ziemlich gekonnt – den Folk-Rocker. Zu einem latent-bescheuerten Stampfbeat, allerhand Geschnipse und Lagerfeuergeschraddel gesellt sich im Refrain ein überaus kalkuliertes „Aaaah-aaah-aaah-aaah“, das man nicht so leicht wieder aus der Birne bekommt. Spätestens wenn mann die rhythmusstiftenden Eurotrash-Keyboards isoliert wahrnimmt und auch noch ein Ohr für die Orgel am Ende hat, weiß man: Für diesen Größenwahn kann nur Muse verantwortlich sein.
 

 
Passend zu der haarscharfen Geschmacksverirrung hab ich dann im Anschluss noch A Perfect Circle im Angebot. ProgRock auf der Spreewelle? Ja, schon. Denn „So Long, And Thanks For The Fish“ hat eine so wunderbar solide-optimistische Grundstimmung, die in guter Weise an die späten 90er Jahre erinnert, dass man über die schauderliche Albumgestaltung des 2018 erschienenen „Eat The Elephant“ geflissentlich hinwegsehen kann.
 

 
Deutlich geschmackssicherer geht es dann mit Bilderbuch weiter. Herrlich abgehangen klingt die erste Veröffentlichung aus dem seit Dezember erhältlichen „Mea Culpa“. Außerdem passt der Titel auch vom Namen her wie die Faust aufs Auge des Orkans der aktuellen Spreewelle: „Checkpoint (Nie Game Over)“.
 
 

 
Ich lese gerade sehr interessiert, dass der Opener der Seite zwei dem deutschen Rapper Trettmann zuzuordnen ist, und dass er mit „Standard“ im letzten Jahr mehrere Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts gastierte. Sowas. Mir lag „Grauer Beton“ bislang nur als Instrumental und als „Lambert Rework“ vor. Und der ist „wie Blume“.
 

 
Wer es bislang nicht weiß: Lambert ist ein in Berlin lebender Neo-Klassik-Pianist und hat wahrhaft magische Hände. Erstaunlich wie eine Neuinterpretation ein Original derart übertrumpfen kann. Ähnliches geschieht auch bei „A Trick Of The Light“. Die Single der Villagers war bereits im Juli auf der Spreewelle vertreten. Im Bibio-Remix gibt es eine neue, sphärisch-coole Seite des Tracks zu entdecken.
 

 
Die gesamte Tracklist der Seiten 1 und 2 wie immer unten und direkt auf Spotify.
 

 
 

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