SPREEWELLE 169

HERE’S THE THING

VÖ: 04.05.2020

8 Wochen ist die Spreewelle brav zu Hause geblieben. Hat sich introvertiert mit sich selbst beschäftigt, soziale Kontakte gemieden und wahrscheinlich zu viel Bier getrunken. Leicht beschwipst ist sie jetzt wieder da. Besonderheiten: Ein leichter Pop-Überhang auf Seite 1 und eine sehr tränenreiche zweite Seite. Also genau das Richtige zum Ablenken.

Teaser

Keine Missverständnisse

Nach 2 Monaten ohne Mucks müssen die ersten Töne der neuen Spreewelle unmissverständlich in die Beine gehen und breitenwirksam Optimismus verbreiten. Das steht irgendwo in den Statuten. Und das geht kaum besser als mit Plan B. Nein, nicht die Band von Johnny Haeusler. Sondern das gleichnamige Projekt des englischen Rappers Benjamin Paul Ballance-Drew. Der Track „She Said“ stammt vom 2010er Album The Defamation of Strickland Banks – ist also uralt, aber wurde erst kürzlich in Hörreichweite der Redaktion gespült. Lustig: Der schlaue, swingende Song klingt wie die Blaupause für den Erfolg von Portugal The Man’s Feel It Still (bislang ebenfalls nicht auf der Spreewelle erschienen). Und das wiederum erinnert frapierend an den Postman der Beatles.

Wie ich auf den Swing-Sound komme? Der Soundtrack zum neuen „Trolls“-Film ist draußen. Wegen Corona läuft der nicht im Kino, sondern ist ab sofort On-Demand erhältlich. Das ist weder gesamtgesellschaftlich noch musikalisch von irgendeiner Bedeutung. Aber: Auf dem Soundtrack versammelt sich alles was gerade Rang und Namen hat in der Bubble Gum Pop-Welt. Kein Wunder, denn zum ersten Troll-Film lief Justin Timberlakes „Can’t Stop The Feeling“ und avancierte mittlerweile zu dessen kommerziell erfolgreichstem Hit. Ein bisschen berechnend klingt denn auch die Songsammlung zum neuen Film. Anderson .Paaks Beitrag „Don’t Slack“ zum Beispiel möchte ein bisschen zu dolle das neue Happy sein. Die beste Single kommt auch wieder nicht ohne Justin Timberlake aus.

TikTok Pop

Bereits im Frühjahr letzten Jahres machten wir an selber Stelle auf die damals noch ziemlich unbekannte Benee aufmerksam. Die junge Neuseeländerin hatte mit „Soaked“ eine supercoole Debütsingle abgeliefert, irgendwo zwischen Neo Soul und Kleine-Mädchen-Indiepop. Mittlerweile ist die 20-Jährige ein veritabler und vor allem viraler Popstar geworden. Der Track „Supalonely“ ist so glatt wie eingängig und unglaublich erfolgreich: 36 Mio. Views auf Youtube, die wahrscheinlich auch der cleveren TikTok-Kampagne zu verdanken sind. Wurscht – das Ding ist gut und wird bei keinem 2020-Jahresrückblick fehlen.

Silvertwin meets Supertramp

Neben viel modernen und tanzbaren Pop für den Bewegungsapparat, bietet die 169 natürlich auch wieder sehr ehrlichen Indiepop. Zum Beispiel mit der neuen Lieblingsband Silvertwin. Nachdem diese auf der letzten Spreewelle die Beatles imitierten, tun sie jetzt genau das selbe mit Supertramp. Dreist aber geil. Bitte vergleichen Sie selbst:

Endlich in Albumlänge

Vor 15 Jahren voll normal, in heutigen Zeiten aber durchaus bemerkenswert: Unsere aktuelle Schraddel-Lieblingsband Sports Team und ihr mitreißender energetischer Sound. „Here’s The Thing“ heißt der Vorbote des auf Juni verschobenen ersten Longplayers „Deep Down Happy“. Und auch wir sind tief glücklich darüber, mit der Band aus Cambridge sorgenfrei mitschreien zu dürfen.

Ähnlich gitarrenlastig und schnell, aber textlich weniger befreit: Manuel Bittorf, der unter dem schönen Namen Betterov gerade seine zweite Single „Angst“ veröffentlicht hat. Klingt ein wenig nach Drangsal, allerdings mit ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit. Gerade der Gegensatz zwischen der musikalischen Zappeligkeit und den im Vergleich dazu fast schon lethargischen Lyrics macht hier den Reiz aus.

Martin Krug – the whitest boy alive

Mal eben ausholen: Immer am Freitag sendet der RBB für uns betagte Menschen eine musikalische Timetainment Sendung. Nach einem häufig an den Haaren herbeigezogenem Motto werden dann Filmausschnitte aus „Die Legende von Paul und Paula“ gezeigt und immer wieder darauf hingewiesen, dass „Über 7 Brücken musst du gehn“ gar nicht von Peter Maffay, sondern ja eigentlich von Karat stammt. Manchmal aber lernt man da tatsächlich was Neues. So Einblicke in die Musikerkarriere von Manfred Krug. Ende der 60er, Anfang der 70er gehörte Krug zu den beliebtesten Interpreten des Ostens – statt Folklore sang er ziemlich verdrehten Schlagerjazz. Wie der Zufall es will, hat auch Das Paradies Gefallen an Krugs Werk gefunden und kürzlich das Cover „Wenn’s draußen grün wird“ veröffentlicht. Und weil’s der Zufall scheinbar so richtig wollte, passen die Akkorde und Instrumentation wie angegossen zum ersten Lebenszeichen von The Whitest Boy Alive seit sieben Jahren.

Die Playlist bei Spotify

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