SPREEWELLE 170

GRAVITY

VÖ: 06.06.2020

Das sitzt, wackelt und hat Luft. Während alle Welt Angst vor der zweiten Welle hat kommt hier die 170. von der Spree. An beiden Decks mit hervorragendem Personal. 40 Nummer 1 Hits für Hüfte und Herz. Und das ging selten so flüssig von der Hand.

Teaser

Von Ryan Heffington empfohlen

Ohne sie geht es nicht: Die eindeutigen, die zwingenden Eröffner für die beiden Spreewellen-Seiten. Sie geben die Stimmung und den Schwung vor und sie bestimmen manchmal auch, wie leicht sich die restlichen 38 Stücke kompilieren lassen. Dai Freyr aus Island hätte beim Grand Prix in diesem Jahr große Chancen auf das Siegerpodest gehabt. „Think about things“ ist ein von der ersten bis zur letzten Note überzeugender Dancekracher, zu dem sich im Home Office vorzüglich abzappeln lässt.

Der perfekte Popsong

Getauft wurde die Frühsommerspreewelle allerdings von Sara Bareilles. Schon sechs Alben stammen aus der Feder der US-Amerikanerin, aber nur durch Zufall tropften die wunderschönen Töne von „Gravity“ getarnt als ironische Schnulzigkeit in der nicht immer unterhaltsamen Serie „Community“ durch die Boxen. Der Song ist 11 Jahre alt und hat sich bei mir also mit einiger Verspätung in die Top 3 Ever Lovesongs gespielt. Ein einfache aber gleichzeitig gar nicht soo unkomplexe Melodie, eine hervorragende Dramaturgie (mit herzzerreißendem Höhepunkt) und ein so schlauer Text.

Das nächste große Ding aus GB

Schwer das Niveau zu halten nach so einer Nummer. Klappt aber ganz gut. Mit einer Künstlerin, deren Debut erst im September in den Plattenläden steht. Die Rede ist von Celeste, deren Karriere noch gar nicht richtig gestartet ist und die trotzdem schon mit allerlei Preise überhäuft wurde (u.a. der Newcomer-Preis bei den BRIT Awards in diesem Jahr). „I Can See The Change“ ist eine sehr klassische Ballade, die durch Celestes dunkle, charakterstarke Stimme eine herrliche Schwere verleiht bekommt. Produziert wurde der Song übrigens von Billie Eilishs Bruder.

Gospel! Jazz! Ja, bitte. Wie bitte?

Kat Frankie kommt gebürtig aus Australien, macht aber seit über 16 Jahren hauptsächlich von Berlin aus Musik. Dabei ist sie sehr schwer einer klaren Schublade zuzuordnen. Irgendwie Folk, irgendwie Indie, irgendwie aber auch ganz was anderes. Vor 2 Jahren schon wär sie fast auf der Spreewelle gelandet. Es ist Spotify zu verdanken, dass Kat Frankie im Juni 2020 nun mit gleich zwei Songs auf der Compilation vertreten ist. Neben dem sehr poppigen „Bad Behaviour“ auf Seite 1 ist es vor allem „Please Don’t Give Me What I Want“, der zwar schon ein paar Jahre alt ist, aber wirklich ein kleines Meisterstück ist. Beginnt wie ein Gospel, endet wie ein Cool Jazz Track und ist eingeschlagen in einem wahnsinnig verführerischen Chorarrangement – und diesem großartigen Text.

P.S. auf die Straße

Blinker ist ja eigentlich ein meist ovaler Kunstköder aus Metall, der zum Angeln auf Raubfische benutzt wird. Blinker heißt aber auch der Mannheimer Künstler, der gegen Ende der Seite 1 eine ordentliche Duftmarke im Indiepop-Segment setzt. Der Song „PS“ ist eine traurige Punk-Ballade, die herrlich ehrlich ist und sich zum Glück nicht darum schert, dass sie ganz schon gradlinig ist.

Soweit Mannheim. Der zweite deutschsprachige Beitrag auf der 170 kommt mal wieder aus Österreich und wird gesungen von Phillippa »Pippa« Galli. Auf der Vorab-Single zum zweiten Album „Idiotenparadies“ beschäftigt sich die Multitalentierte mit der allgemeinen Wurschtigkeit. In „Egal“ geht’s tatsächlich weniger um persönliche Befindlichkeit als um gesellschaftliche Irrelevanz. Das funktioniert auch schon wie bei früheren Tricks des Acts einfach sehr clever.

Cover-Photo (c) 2020 by Spreewelle.

Die Playlist bei Spotify

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