SPREEWELLE 179

SPUK VORBEI

VÖ: 15.06.2021

Das ist die Ode an den Juni. An DIESEN Juni. An das Zurück und vielleicht an das Anders-Weiter. Auf jeden Fall an das Ende von diesem 15-monatigen Winter, der hinter uns liegt. Wenigstens Berlin wird ja gerade passenderweise beschenkt mit einem Sommer, der sich auch so nennen darf. Es gibt Gründe zum Feiern. Tun wir es.

Teaser

Die lang vermisste Lockerheit

Das Coverbild sagt mehr als Tausend Töne. So schön, endlich wieder draußen zu sein. Mit Sonne. Mit anderen. Und ohne den Corona-Small Talk. Ein wenig verwundert der Titel des Openers. „Winter“ von der Band Fibel handelt aber eben genau nicht vom Winter, sondern auf die Vorfreude auf den Sommer. Und genauer: Auf diesen Sommer. Die aus Mannheim und Berlin stammende Post-Waver haben mit diesem schluchzend-sehnsüchtigen Song den perfekten Startschuss für die erste federleichte Spreewelle seit Monaten.

Auch bei Alex Mayrs neuer Single geht es um Lebensfreude, bzw. dem angenehm dumpf-verkaterten Blick auf jene. „Margaritas“ ist ein weiterer Beleg dafür, dass man an Alex Mayr zur Zeit einfach nicht vorbeikommt, wenn man perfektes Songwriting auf Deutsch sucht.

NEVER
MISS A
THING!

Easy Peacy

Quasi als tiefenentspannte Antwort auf die beiden deutschsprachigen Opener formuliert sich folgendes Doppelpack. Die von der Spreewelle seit ihrem ersten Hit (und vor ihrem Tik Tok Ruhm) verehrte Benee, die sich mit bbno$ duelliert (Help Herself) und die lässigen Jungs von Cassia, deren „Vitamins“ genauso locker aus der Hose gefleddert kommt wie alle bisherigen Tracks der Engländer, die man ab dem ersten Ton eher für Australier hält.

Gute Nacht, AfD

Jan Philipp Eißfeldt hat ein neues Album veröffentlicht. Es ist besser als „Hammer & Michel“, klingt in voller Länge aber etwas leblos. Trotzdem gibt es Highlights. So z.B. das Umdiehäuserzieh-Stück „Eule“, das Knapp-Post-Corona zwar immer noch wie eine Utopie klingt, aber das macht, was Jan Delay Tracks nun mal hauptsächlich machen: Bock.

Beinahe hätte uns Sachsen-Anhalt diese gesamte Spreewelle versalzen. Die Umfragen ließen nichts Gutes ahnen – und ja, es ist immer noch nicht gut, wenn die AfD in einem Bundesland 20,8% der Wählerstimmen erreicht. Es ist eine Katastrophe! Aber sie sind nicht stärkste Kraft geworden. In diesem Fall würde statt Delays „Eule“ der ebenfalls auf „Earth, Wind & Feiern“ enthaltene Anti-AfD-Track „Spaß“ erklingen und Maeckes schlaues und schönes „1234“ hätte einen Begleiter. Bekloppter Name, aber 1A Flow.

I Just Listened To Spotify Top 10 – WTF

So oder ähnlich heißt das unregelmäßig veröffentlichte Youtube-Format von meinem Lieblings Musikauskenner Rick Beato. In diesen rund 15-minütigen eigentlich als Rant angelegten Videos zerlegt der versierte Musiker/Produzent/Toningenieur und Musiktheoretiker das, was kommerziell gerade angesagt ist. Auch als Laie, zu denen ich mich zähle, sind Ricks Vorträge über die immer gleiche Verwendung von uninspirierten Akkordfolgen und die Finessen von High End Musikproduktionen unglaublich unterhaltsam. Immer mal wieder stößt Beato aber auch auf Überraschungen.

Weekend zum Beispiel attestiert der Musikpabst zwar keine oscarverdächtige Harmonieauswahl, aber immer wieder ist er begeistert vom Sound und vom Arrangement. Mir geht es genauso. Auf der 179 gibt es „Save Your Tears“, wieder herrlich 80s (was für ein geiler Bass!), wieder ein echter Hit.

Und richtig durchgedreht ist der gute Rick bei Olivia Rodrigo. Mir war die 18-Jährige übrigens auch völlig unbekannt. Wikipedia sagt „Bekanntheit erlangte sie durch die Rolle der Paige Olvera in der Disney-Channel-Serie Bizaardvark und als Nini Salazar-Roberts in der Disney+-Serie High School Musical“. Das lässt Schlimmes vermuten. Pustekuchen! „Drivers Licence“ ist die bislang beste Ballade dieses schrulligen 2021!

Ab in die Sommernacht

Wegen Olivia musste die gesamte Kompilation umgeworfen werden. Eigentlich war schon Annahmeschluss. Aber der Track musste auf die Eins der Seite 2. Dafür rückte „Daydrinking“ von Bilderbuch (was unser aller Motto in den nächsten Wochen sein sollte) auf Startnummer 19. Und Oscar Anton auf die 2. Schon auf der letzten Welle smoothte der verträumte Franzose durch die Welle. Dieses mal gibt’s mit „Bye Bye“ seinen bislang größten Spotify-Erfolg. Speeking of which: Unten stehen wie immer die Spotify-Listen der Seiten 1 und 2 bereit. Anhören und abonnieren. Und locker lassen.


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